Wein in Österreich

© Österreich Werbung, Fotograf: Viennaslide

Ein kleiner Guide für Genussreisende

Die Herkunftsbezeichnung DAC

Der Weinbau ist in Österreich nach wie vor sehr kleinteilig strukturiert. Die meisten heutigen Weinbaubetriebe gingen aus einer gemischten Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht hervor und rund die Hälfte von ihnen verfügt über eine Rebfläche von weniger als fünf Hektar – große Mengen werden hier nicht produziert. Im Handel und Export ist das oft ein Nachteil, der aber durch die Gründung von sogenannten „DAC’S“ (Distructus Austriae Controllatus), also geschützten Herkunftsbezeichnungen für einen bestimmten Weintyp, teilweise ausgeglichen wird. Zugleich führt diese Tatsache aber zu einer enormen Vielfalt der Weinszene und Individualität der Weine. Anders gesagt: Wein aus Österreich ist kein Massenprodukt, denn jede Flasche trägt die Handschrift ihres Winzers.

www.weinausoesterreich.at

Ein Glas Weißwein mit Gebäck.© Österreich Werbung, Fotograf: Viennaslide.

Nicht zuletzt wird der in den USA der Einfachheit halber als „Gruner“ bezeichnete Wein im Ausland geschätzt – spiegelt er doch mit seiner Frische und seiner pfeffrig-würzigen Aromatik wohl wie kein zweiter die Identität des Weinlandes Österreich wider.


Tipp 1: Die Weinbauregion Wachau

Der Weinbau in der Wachau geht auf eine lange Tradition zurück: Bereits die Römer kultivierten hier die Steinterrassen, und mit „Vinea Wachau Nobilis Districtus“ definierte der oberste Schenk in Österreich, Leuthold I. von Kuenring (1260-1312) die erste gültige Herkunftsbezeichnung edler österreichischer Weine.

Weinberge bei Duernstein in der Wachau. © Österreich Werbung, Fotograf: Diejun

Wachau
www.wachau.at/donau/WN


Tipp 2: Das Kellerviertel Heiligenbrunn in Südburgenland

141 Weinkeller, die größtenteils gar keine Keller sind, sondern über der Erde erbaute Press- und Lagerhäuser, bilden das denkmal- und landschaftsgeschützte Kellerviertel Heiligenbrunn. Das dazugehörige Areal umfasst mehr als 60 Hektar und lässt sich ganzjährig erkunden und erkosten.

Als Holzblockhäuschen erbaut, mit Lehm verputzt und mit Stroh gedeckt: Die ältesten noch erhaltenen Weinkeller in Heiligenbrunn und Umgebung gehen zurück auf das 18. Jahrhundert. Spätere Bauten verschwanden dann tatsächlich halb in der Erde und wurden ihrem Namen somit auch gerechter. Genutzt werden sie alle noch – und deshalb ist das Kellerviertel Heiligenbrunn auch kein vinophiles Museum, sondern ein Stück Weinkultur. Hier erlebt man bis heute, wie Wein gemacht und gelagert wird. Auf Voranmeldung öffnen die Mitglieder des Weinbau- und Kellervereins gerne die alten Holztore und laden Interessierte zu Führungen und Verkostungen ein.

Kellergasse Heiligenbrunn. © Österreich Werbung, Fotograf: Herzberger

Probieren kann man hier vor allem den Uhudler, ein reines Naturprodukt, das man nur im Südburgenland findet. So intensiv er nach Erdbeeren riecht, der Geschmack des Roséweines geht in eine säurebetonte Richtung. Seit wenigen Jahren kultiviert man den Uhudler nun wieder mit Stolz und freut sich, dass seine Produktion seit 1992 wieder erlaubt ist. Der Besuch des Kellerviertels lohnt sich aber auch spontan – befindet es sich doch schließlich in einer der schönsten Gegenden des Burgenlandes: Weingärten, Steppenlandschaften und Felder, die bis zum Horizont zu reichen scheinen, kleine Biotope, uralte Baumalleen sowie die unmittelbare Nähe zur ungarischen Grenze machen das Kellerviertel Heiligenbrunn zu einer weltweit einzigartigen Region.

www.kellerviertel-heiligenbrunn.at


Empfehlenswerte Winzer, Weingüter und Vinotheken

Weingut Igler / Dependance Schaflerhof

Behutsam hat die Weinbaufamilie Igler einen alten Gutshof neu adaptiert und ihren eigenen Weinen ein neues Lager gegeben. Architektur, Wein und Atmosphäre treffen dabei den stillen Charakter der mittelburgenländischen Landschaft rund um den Neusiedler See.

Einen Wochenendausflug in die pannonische Landschaft des Burgenlands zu unternehmen und dabei die häuslichen Vorräte in Weinregal oder Weinkeller aufzustocken, ist eine feine Sache. Wer freitags und samstags im Raum Deutschkreutz unterwegs ist, sollte nicht versäumen, den Schaflerhof des Weinguts Igler aufzusuchen – an diesen Tagen hat das Winzerehepaar Igler nämlich sein Weinlager in dem 300 Jahre alten Hof geöffnet. Der Schaflerhof atmet die Geschichte und die Atmosphäre dieser betörenden Landschaft am Rande des Neusiedler Sees. Wie sein Name schon sagt, wurde er jahrhundertelang für die Schafzucht genutzt – unter Patronanz der Fürsten von Esterházy. Die Iglers adaptierten vor einigen Jahren die 65 Meter langen Hauptgebäude und ließen die alten Gemäuer mit einer spektakulären Dachkonstruktion versehen. Die aufwändige Fachwerkskonstruktion des Dachstuhls erinnert an einen umgedrehten Schiffsrumpf, darunter lagern rund 600 gut gefüllte Barriquefässer unter idealen Bedingungen. Der bekannteste Wein aus den Igler’schen Lagen im Blaufränkischland ist die Cuvée Vulcano. Ein Geheimtipp unter Weinkennern sind die Weine der Lage „Biiri“, der ältesten in Deutschkreutz. Und wer es am Wochenende nicht schaffen sollte: Auch unter der Woche können die Rotweine des Weinguts Igler in deren Vinothek in der Langen Gasse in Deutschkreutz verkostet werden.

www.weingut-igler.at


Vinatrium, Deutschkreuz

In den stimmungsvollen Kellergewölben des Vinatriums in Deutschkreutz steht eine fast unerschöpfliche Auswahl an Weinen aus dem Mittelburgenland zur Verkostung bereit.

Einen solchen Keller hätte wohl mancher Weinfreund gerne unter seinem Haus. Große, gemauerte Gewölbe, geschmackvoll renoviert und beleuchtet sowie dank Klimatechnik zur perfekten Lagerstätte für einen wahren Schatz ausgebaut: Rund 300 Weine von 50 Winzern der Region stehen hier zur Verkostung bereit und werden zu Ab-Hof-Preisen angeboten. Nach Verabredung kommen Weinbauern sogar persönlich zu einer kommentierten Verkostung, wobei auf Wunsch ein passender Imbiss mit Spezialitäten aus dem Blaufränkischland gereicht wird. Sekt, Liköre und Edelbrände runden das Angebot ab und ein modern ausgestatteter Kultursaal für 500 Personen – mit Bühne und Galerie – bietet Platz für Veranstaltungen aller Art.

www.vinatrium.at


Die Weinlodge in Martinsdorf in Niederösterreich

Luxuriös anmutende Appartements, Heurigenküche auf Hauben-Niveau und Top-Weine mit regionalem Charakter – das Weingut Zuschmann-Schöffmann.

Ein Wirtssohn lernt in internationalen Top-Häusern das Kochen und verliebt sich, zurück in der Heimat, in die schöne Tochter eines Weinbauers. Zusammen beschließen sie, etwas Neues zu machen. Das Resultat: ein hochwertiger Heuriger mit Appartements und ein kleines Schlaraffenland. Hier werden seither Wildschwein, Fasan, Linsen und viele weitere typische Produkte der Region auf leichte, ernährungsbewusste Art oder nach Ur-Weinviertler Rezepten auf höchstem Niveau zubereitet. Auf der Weinkarte findet man unter anderem reschen Grünen Veltliner, einen eleganten Pinot Noir und sogar einen reinsortigen Jahrgangssekt, in Handarbeit nach der Champagnermethode in Flaschen vergoren. Der moderne Weinkeller, der diese Qualität ermöglicht, kann auch besichtigt werden. Ein Seminarraum mit Blick auf die Barriquefässer des Kellers bietet Gelegenheit für fachkundige Seminare über Wein und dessen Kultivierung. Seit kurzem können die hochwertigen Produkte und Spezialitäten aus der Region in der hauseigenen Greißlerei erworben werden.

Fünf Appartements machen die Lodge komplett. Sie sind modern und geschmackvoll eingerichtet, verfügen über Kühlschrank, Geschirrspüler sowie Kaffeemaschine – und besonders ein Umstand sorgt sofort für Wohlbefinden: Sie sind enorm geräumig.

Kontaktdaten

Weingut Zuschmann-Schöfmann

Winzerstraße 52

2223 Martinsdorf

http://www.weinlodge.at


Weingut Holzapfel in Joching in der Wachau

Preisgekrönte Weine, leckere Schnäpse, ein gutes Restaurant mit Zimmern für Gäste und Süßes rund um die Marille: Im mehr als 700 Jahre alten Prandtauerhof in der Gemeinde Joching an der Donau feiert Familie Holzapfel Wachauer Gastfreundschaft – und das Edelste, was Keller und Küche der Region zu bieten haben.

Als Karl Holzapfel sen. im Jahre 1968 den Prandtauerhof erwarb, stand das vierflügelige Barockjuwel mit seinem zweigeschossigen Arkadenhof und der eigenen Kapelle kurz vor dem Verfall. Viel Zeit und Geld sowie noch mehr Enthusiasmus waren damals nötig, um den einstigen Lesehof des St. Pöltener Chorherrenstifts behutsam zu renovieren. Doch die Investitionen haben sich gelohnt: Heute gehört der Prandtauerhof zu Niederösterreichs gastronomischen Top-Adressen und darüber hinaus auch zu den besten Winzereibetrieben und Schnapsbrennereien des ganzen Landes. Der beste Ort, die edlen Tropfen zu gustieren, ist das familieneigene Gutsrestaurant mit dem romantischen Innenhof, das sich ganz auf heimische Köstlichkeiten spezialisiert hat: Geräucherter Schinken kommt hier auf den Tisch, frischer Bachsaibling oder Veltliner-gebeizter Rinderbraten. Und zum Dessert gibt es Topfennockerl mit Marillenröster – oder die köstliche Marillenbrand-Schokolade, die man, neben anderen Marillenspezialitäten, auch mit nach Hause nehmen kann.

Apropos „nach Hause“: Wer sich im Prandtauerhof so wohlfühlt, kann sich in eines der vier mit Stoffen des britischen Interieur-Labels „Designers Guild“ ausgestatteten Gutszimmer einmieten.

www.holzapfel.at


„bittermann“ Vinarium (Landgasthof/Vinothek) in Göttelsbrunn

Das „bittermann“ Vinarium ist ein Landgasthaus modernen Typs in alten Mauern und ein wahres Schlaraffenland für jeden, der gerne gut isst und trinkt.

Adi Bittermann, der kochende Patron, und seine Frau Bettina, die für das Restaurant und die Vinothek verantwortlich zeichnen, erreichten schon in Wien mit „Vikerls Lokal“ Kultstatus. In Göttlesbrunn haben sie nun optimale Bedingungen geschaffen, um ihre Gäste aufs Beste und Herzlichste zu verwöhnen. Das alte Schulhaus des Ortes wurde modern und geschmackvoll adaptiert und im ersten Stock wurde eine Regionalvinothek eingerichtet, in der die besten Tropfen der Weinregion Carnuntum ruhen. Zu ebener Erde schmurgeln den ganzen Tag die Töpfe: Fonds, Suppen und Saucen bilden die Grundlage für Adi Bittermanns Küche und ein Zwölf-Stunden-Gulasch steht meistens auch irgendwo am Herd. Der Wirt ist ein Meister der Innereienküche, lässt altösterreichische Rezepte wieder aufleben, zeigt sich aber auch im Bereich der Grande Cuisine sattelfest.

 Dabei kocht der Tausendsassa herzhaft und manchmal sogar deftig, aber eben stets spannend in der Kreation und stilsicher in der Umsetzung. Und Bettina Bittermann sorgt dafür, dass diese Gerichte vom jeweils besten Tropfen begleitet werden und dass man sich als Gast schon beim ersten Besuch wie zu Hause fühlt.

www.bittermann-vinarium.at


Jamek (Landgasthof/Weingut) in Joching in der Wachau

Der Jamek ist seit Jahrzehnten eine Wachauer Institution – die sowohl in Sachen Atmosphäre als auch bei der Qualität nach wie vor hält, was sie verspricht.

Josef Jamek war der Wachauer Weinbaupionier, seine Weine zählten zu den ersten, die schon in den 1960er Jahren ihren Weg bis in die Arlberg-Gastronomie gefunden hatten. Der beste Platz, um diese zu trinken, war aber seit jeher das Lokal in Joching, das heute von der nächsten Generation, Jutta und Hans Altmann, geführt wird. Man betritt ein gediegenes Landhaus mit angenehmer Atmosphäre, Gemütlichkeit geht hier noch immer vor Noblesse. In den hübschen Stuben, auf der Terrasse oder im idyllischen Gastgarten macht man es sich gemütlich – denn man bleibt ja gerne ein bisschen länger. Angenehm gestaltet wird dieser Aufenthalt mit Gerichten, die vor allem der Tradition und der Region verpflichtet sind: Fisch, Wild & Co. spielen eine wichtige Rolle und auch Klassiker wie ein feines Riesling-Beuscherl dürfen natürlich nicht fehlen.

Dazu den passenden Wein zu finden, ist kein Kunststück, denn die Rieslinge und Veltliner aus dem Hause Jamek zählen zu den besten der Wachau. Wer davon gar nicht genug kriegen kann, sollte sich rechtzeitig nach den Winzerzimmern im Weingut Jamek erkundigen.

www.weingut-jamek.at


Heurige – ein Erlebnis für Weinliebhaber

Wenn im Wein wirklich die Wahrheit liegt, wie der berühmte lateinische Spruch besagt, was würde der österreichische Wein über sein Herkunftsland verraten? Über seine Erzeuger, also die Winzer? Und über seine Konsumenten, also die vielen Österreicher? Lebenslust.

Das ist es nämlich, was die Menschen hier am ehesten verbindet. Und gerade die Weinkultur verleiht der Lebenslust des ganzen Landes Ausdruck. Das spürt man, wenn man einen der zahlreichen Heurigen besucht. „Wenn man sich selbst für einen Moment lang als Österreicher sehen möchte, dann ist ein Heuriger die bessere Methode, als sich etwa Lederhosen anzuziehen“, schreibt der Satiriker Heinrich Steinfest. Wie wahr, denn diese besonderen Weinplätze sind, wie die städtischen Kaffeehäuser und die klassischen Beisln, eine Institution der viel zitierten österreichischen Gemütlichkeit.

Egal ob in Grinzing, dem idyllischen Heurigen-Viertel Wiens. Ob in den Weinlandschaften von Niederösterreich, dem Burgenland oder der Steiermark. Die Winzer servieren hier nicht nur stolz ihren Wein und typische Hausmannskost. Sie lieben es auch, ihre Gäste lustvoll zu unterhalten. „Der Österreicher hat über die Jahrhunderte gelernt, den Fremden ein weites Herz zu öffnen“, sagt der Kulturwissenschaftler Roland Girtler. Das trifft besonders auf die Winzer zu, mit ihrem speziellen Humor, der auch des Öfteren in Selbstironie abgleiten kann. Man hat aber das angenehme Gefühl, als nähmen sie das Leben besonders leicht. Oder sie schaffen es einfach gut, die Härten des Alltags zu verdrängen.

Dass die Gastgeber übrigens volkstümliche Lieder anstimmen, ist eher ein Klischee und findet selten statt, zumindest nicht spontan. Viel eher trifft zu, dass die Winzer an lauen Sommernächten die Gäste in die Tiefen ihrer Weinkeller bitten, wo sie stolz sinnieren über ihre „edlen Tropfen“ (so bezeichnen sie die wirklich). Die Weinbauer sind nämlich höchst eloquente Chronisten ihrer eigenen Ware. Und ihrer Herkunft.

Das kann man aber auch nachvollziehen. Wenn man beispielsweise auf einem der steilen Weinberge in der Wachau steht und flussabwärts ins traumhafte Donautal blickt. Oder wenn man durch die idyllischen Weinstraßen in der Südsteiermark wandert. Wohl erst dann wird man den Charme der gewachsenen Weine verstehen. Und die Lebensfreude der Menschen.

Im Sommer fahren Menschen aus Nah und Fern an Mais- und Kürbisfeldern vorbei, um ihre kulinarischen Sehnsüchte an Orten zu stillen, die Buschenschanken genannt werden: Meist auf Hügelkuppen gelegen, wird dort bester Wein und ein reiches Sortiment regionaler Hausmannskost kredenzt. Beim Anblick der steil abfallenden Weinberge, den grünen Wiesen und der kleinen Wege, die sich bis zum nächsten Weingut hinaufschlängeln, verliert sich die Zeit, wird der Alltag zur Nebensache. Dass in Buschenschanken keine warmen Speisen aufgetischt werden dürfen, geht übrigens auf eine Zirkularverordnung Kaiser Josephs II. aus dem Jahr 1784 zurück. Und daran halten sich die traditionsbewussten Steirer bis heute. Der kulinarische Klassiker ist dabei die Brettljause, die immer wieder mit Spezialitäten wie etwa Speck vom Mangalitza-Schwein angereichert wird. Aber auch Käsespezialitäten, Bauernmehlspeisen sowie eingelegtes Gemüse und Pilze ergänzen den Weingenuss bestens. Nicht zu vergessen das den Steirern heilige Kürbiskernöl, ohne das kein Salat oder gekochtes Rindfleisch serviert werden darf.


Typisch Heuriger – die Brettljause

Ein paar Worte zu einem typisch österreichischen Imbiss, dem Ort Deutschlandsberg, einem Gasthaus, zum Blick über eine unvergleichliche Landschaft und dem dazupassenden Wein. Kurz: eine Verführung zur steirischen Brettljause.

Die junge Frau ist leidenschaftliche Genießerin allerlei exotischer Köstlichkeiten, stolze Besitzerin vieler Kochbücher – und dann passiert das: Die beste Freundin schwärmt ihr vor, von dem Ort Deutschlandsberg, einem Gasthaus auf einem Berg und einer Brettljause mit einem Glas Schilcher. Wie bitte?! Verschiedene Sorten Fleisch, kalt serviert auf einem Holzbrett? Mit einem leicht säuerlichen Wein? Was soll daran so faszinierend sein?

Natürlich kennt unsere Genießerin diesen Klassiker der österreichischen Buschen- schänke und Heurigen, aber wirklich verstehen kann sie die Anziehungskraft nicht. Verhält es sich mit der Brettljause gar wie mit den Vanillekipferln österreichischer Großmütter? Jede österreichische Großmutter hat ja ihr eigenes Rezept. Manche Vanillekipferln isst man nur der Großmutter zuliebe, und manche Großmutter liebt man nur wegen ihrer Kipferln. Aber wie auch immer: Sie beschließt dem Mythos Brettljause auf den Grund zu gehen und fährt in das „grüne Herz“ Österreichs, die Steiermark.

Die kleine Bezirkshauptstadt Deutschlandsberg präsentiert sich ruhig an diesem heißen Sommertag, dabei ist der Ort alles andere als verschlafen. Die Dichte an kulturellen Aktivitäten ist beeindruckend. Klassische Konzerte von Interpreten, die sonst im Wiener Musikverein auftreten, Weinverkostungen, ein Golfturnier, ein Reiterfest, Radrennen, Laufveranstaltungen, Kernöldegustationen und Theateraufführungen verleihen diesem Ort eine einmalige Lebendigkeit. Die Deutschlandsberger sind stolz auf ihr Kulturleben, und niemand hier bereut es, in der Provinz zu wohnen.

Begleitet von einem ortsansäßigen Führer beginnt die noch skeptische Besucherin ihren Spaziergang. Er führt sie durch einen generalsanierten Ortskern, entlang an für die Gegend typischen Fischteichen und dem wunderschönen Schloss Frauenthal, vorbei an kleinen Höfen, Feldern, Bächen und Mischwäldern. Und an den Edelkastanien, die im Herbst dank des milden Klimas eine reiche Ernte bringen. Wegen dieses Klimas nennt man die Weststeiermark übrigens auch die „steirische Toskana“. Das stimmt aber nur zum Teil, denn in der Toskana gibt es keine Brettljausn!

Klapotetz (Windrad) / Südsteiermark im Herbst © Österreich Werbung, Fotograf: Himsl

Der einheimische Führer bringt die junge Frau zum Eingang eines Tales. Die Laßnitz fließt ruhig neben dem Wanderweg. Nach fünfhundert Metern verändert sich das Bild. Das Tal wird zu einer engen Schlucht, einer Klause. Die Laubbäume bilden ein grünes, fast undurchdringliches Dach, und der Bach neben dem schmalen Weg rauscht wild über die Felsen. Den heißen Sommertag spürt man kaum noch. Es ist kühl, feucht und die Luft scheint so frisch, so voller Sauerstoff zu sein, dass man am liebsten ständig tief durchatmen würde. Nach einiger Zeit geht der Weg weiter, sehr steil bergauf. Es ist eine willkommene Entschuldigung, sich an den Händen zu halten, bis man, fast überraschend, oben angekommen ist.

Hier steht die mittelalterliche Burg. Noch ein paar Schritte durch den Hof, über die Brücke des Wehrgrabens, hin zum Eingang des Burgmuseums, das in dem hohen Turm untergebracht ist. Wer will, kann hier die Schätze keltischer oder römischer Vorzeit, Schmuck und Waffen besichtigen oder einfach nur die hölzerne Treppe immer höher steigen zum höchsten Punkt der Reise. Vom Dach des Turms breitet sich die Landschaft aus: Das berühmte steirische Hügelland liegt wie ein großer Garten vor dem Betrachter und mit einem Mal wird klar, warum sich die Kelten vor über 2000 Jahren genau hier angesiedelt haben.

Spätestens jetzt meldet sich aber der Hunger, und der einheimische Führer deutet auf ein Gasthaus gleich in der Nähe, ebenfalls hochgelegen und mit ähnlicher Aussicht. Zehn Minuten später sitzen die beiden auf der Veranda. Sie blicken auf die mittelalterliche Burg zur Rechten, das steirische Hügelland links, davor Weingärten, die sich an die Landschaft schmiegen wie eine grüne Decke. Dazu Vogelgezwitscher, Ruhe und die im Licht der Nachmittagssonne funkelnden Kirchturmspitzen. Der Herr bestellt eine Brettljause und ein Viertel Schilcher, die Dame zögert, will sich erst ansehen, was da serviert wird.

Generell ist es ein gutes Zeichen, wenn Einheimische ein Lokal frequentieren. Die Deutschlandsberger kommen gerne hierher. Die Preise sind moderat, die Qualität der Speisen bekannt gut, Freundlichkeit gehört zum Standard und außerdem wissen alle, dass man kein Abendessen braucht, wenn man hier um fünf Uhr nachmittags eine Brettljause zu sich nimmt.

Die steirische Brettljausn beim Stöcklpeter besteht aus folgenden Zutaten:

1. zirka 100 Gramm Kübelfleisch – geselchtes Fleisch, das in Grammelschmalz eingelegt wurde und dadurch einen unwiderstehlichen Geschmack erhält, 2. einem kleinen Stück kalten Schweinsbratens, 3. einem Hauswürstel, luftgetrocknet im Haus der Wirtin, 4. dem typischen „Verhackerten“, das ist ein Aufstrich aus Speckwürfeln und Kernfett, 5. Aufstrich aus Topfen, Butter und vielen Kürbiskernen, 6. Käse, aus einer Käserei unten im Tal, 7. einer Scheibe Rohschinken oder Kaiserspeck sowie 8. weiteren Kleinigkeiten, die da wären: Eier, eingelegte Pfefferoni, Gurken, frischer Kren – sehr zu empfehlen – und dem dunklen Brot.

Wie schon erwähnt, serviert die Kellnerin die „Jause“ auf einem Holzbrett. Und, nein, an diesem Essen ist nichts raffiniert und nie wird man es auf der Speisekarte eines Haubenlokals finden. Außerdem ist die Anzahl der versammelten Kalorien erschreckend. Trotzdem kann die Besucherin nicht widerstehen, sie kostet vom Kübelfleisch, nimmt einen Schluck Schilcher. Der rauchig, schmalzige Geschmack des Kübelfleisches und die herbe Frische des Schilchers gehen dabei eine ganz besondere Verbindung ein. Schweigen. Der Blick streift über das Land. Die Sonne steht tief und ein Strahl trifft das Schilcherglas. Fast kitschig erstrahlt der Schilcher wie ein Juwel von zartrosa bis dunkelrot. Und spätestens jetzt haben es alle ver- standen. Es gibt Speisen und Orte, die auf ganz besondere Art zusammenwirken. Nach einem kleinen Spaziergang durch die steirische Hügellandschaft werden die anschließende Brettljause und das Glas Schilcher zu einem natürlichen Reflex, vergleichbar mit Schafskäse und einem Glas Retsina in einer griechischen Strandbar. Überzeugt schneidet die junge Frau ein großes Stück Wurst ab und meint lächelnd zu ihrem Begleiter: „Du, ich glaube, das Abendessen lasse ich heute aus.“

LINKTIPPS:

Deutschlandsberg
www.deutschlandsberg.at

Gasthof Stöcklpeter
www.stoecklpeter.at

GolfclubSchloss Frauenthal
www.gcfrauenthal.at

SchilcherlandDeutschlandsberg
www.schilcherheimat.at

Steirische Ölspur
www.oelspur.at

Buschenschanken
Wem es nach etwas anderem als der „Brettljausn“ gelüstet, findet bei ausgewählten Buschenschanken auch Salate, Sulze oder Gemüse wie Spargel auf der Speisekarte:
www.buschenschank.at

Öffnungszeiten der ausgezeichneten Betriebe unter:
www.steirischesweinland.at


Tipps für die urige Einkehr

Heuriger Spaetrot in Gumpoldskirchen / Niederösterreich

Der Heuriger Spaetrot ist mit seiner Speisekarte wahrlich ein Ort der kulinarischen Inspiration und der österreichische Küchenkultur.

Der Heurige des speziell für die Pflege der lokalen Sorten wie Zierfandler, Rotgipfler oder St. Laurent berühmten Weinguts Spaetrot in Gumpoldskirchen ist zu einer sehr empfehlenswerten Adresse für herausragende Küche geworden. Die Inhaberin Johanna Gebeshuber zeichnet gemeinsam mit dem Koch Harald Brunner verantwortlich für eine kulinarische Linie, die zu den biologisch erzeugten Weinen passt. In der klassischen Heurigen-Vitrine finden sich herrlicher Rohmilchkäse aus dem Alpenraum, Schinken vom Wollschwein oder etwa Salami vom Freiland-Schweinehof Labonca. Dazu werden selbstgemachte Aufstriche mit Brot der Gumpoldskirchner Bäckerei Eder gereicht. Die meisten Gäste kommen aber wegen der „frischgemachten Speisen“. Als Vorspeisen werden etwa Gebirgsforelle in Kräutergelee mit Paradeiser-Artischocken Salat oder das herrliche Tiroler Ziegenlabneh von Brigitte Eberharter mit Frühlingssalat und Paprikamarmelade gereicht. Bei den Hauptspeisen gibt es Heurigenklassiker in bestmöglicher Qualität wie Surschnitzel mit Erdäpfel-Vogerlsalat oder Ofenbratl vom Spanferkel mit Knödeln Fleischlose Kreationen, etwa würzig-flaumige Bergkäsenocken mit Spinat und brauner Butter, sind stets auf der Karte zu finden.

Je nach Saison darf man sich auf Eierschwammerl-Gulasch mit Kräuterknödel oder das fantastisch gereifte Kotelett vom Labonca Schwein mit Rosmarin, Thymian und Eierschwammerl freuen. Eine weitere Spezialität sind die bereits erwähnten Forellen aus der nahen Zucht Peter Brauchls. Auf Wunsch kann man sich ein ganzes Menü aus diesen vorzüglichen Zuchtfischen zubereiten lassen.

Kontaktdaten:

Heuriger Spaetrot

Wienerstraße 1

2352 Gumpoldskirchen

www.heuriger-spaetrot.com


Buschenschank Gowerl-Haus in Illmitz / Burgenland

Das Gowerl-Haus in Illmitzvereint österreichische Gemütlichkeit, Heurigen-Traditionund burgenländische Weinkultur – und das mit hochwertigen Produkten aus der Region.

In einer der besten Weingegenden des ganzen Landes, rund um den Neusiedler See, wird es seit einiger Zeit immer schwieriger, echte Buschenschanken zu finden. Vinotheken, ja sogar Enoteche, übernehmen anscheinend deren Rolle. Umso mehr sollte man den Familien Kroiss und Vegh dankbar sein, dass sie in ihrem schönen Gowerl Haus in Illmitz die Tradition weiterführen und auch gar nichts anderes zu wollen scheinen. Die meisten Weine und der Zweigeltessig sind aus eigener Erzeugung, ebenso wie die großartigen Produkte, die aus den hauseigenen Mangalitzaschweinen hergestellt werden. Der Rest wird von befreundeten Betrieben angeliefert. Das reichhaltige Speisenangebot des Gowerl-Hauses bietet vieles, was das Herz begehrt, beispielsweise pastetenartigen Illmitzer Leberkäse, Mangalitzawürsteln, Presswurst mit Zweigeltessig und Zwiebeln, Blunzn, Schmalzbrote und Speck.

Der luftgetrocknete Schinken vom Grauen Steppenrind stammt aus der Apetloner Nationalparkherde, der Schafkäse aus Tadten, der Ziegenkäse aus Gols, das Eingelegte vom Stekovics in Frauenkirchen und sogar die Chips und Knabbereien sind aus Schattendorf und nicht aus dem Supermarkt. Eben wie es sich in einer echten Buschenschank seit jeher gehört.

Kontaktdaten:

Gowerlhaus

Apetlonerstrasse 17

7142 Illmitz

www.gowerlhaus.at


Heurigenhof Bründlmayer in Langenlois / Niederösterreich

Der Name bürgt für Qualität, denn die Besitzerfamilie Bründlmayer legt großen Wert darauf, dass überall, wo ihr Name draufsteht, der Inhalt vom Feinsten ist. Das gilt für den Wein von Willi Bründlmayer ebenso wie für den Heurigenhof, in dem nach einigen Rochaden nun ein wahres „Dream-Team“ zu Werke geht, um die Gäste zu verwöhnen. Den Betrieb leitet Martin Schierhuber, ehemaliger Chef-Sommelier bei Johann Lafer und Toni Mörwald, und somit ein profunder Weinexperte. In der Küche steht mit Peter Heneis ebenfalls ein Meister seines Faches, der sich seine Sporen unter anderem bei Jörg Wörther und Heinz Hanner verdient hat. Auf dem Programm steht eine ideenreich umgesetzte, vorwiegend regionale Küche, die mit Gerichten wie gebackenem Blutwurststrudel mit eingelegter Paprika und Senf-Eis, Filet und Butterschnitzel vom Donauwaller mit Belugalinsen und Semmelkrenschaum oder Beiriedschnitte mit schwarzer Trüffel, Erdäpfelflan und sautierten Kräuterseitlingen weit über ein übliches Heurigen-Angebot hinaus geht.

Den Sommelier kann das nicht in Verlegenheit bringen, steht ihm doch neben vielen gereiften Rotweinen anderer Betriebe auch das gesamte Sortiment des Weinguts Bründlmayer zur Verfügung, das hier auch zu Ab-Hof-Preisen gekauft werden kann.

Kontaktdaten:

Weingut Bründlmayer

Walterstraße 14

3550 Langenlois

www.heurigenhof.at


Heurigenadressen in anderen Bundesländern:

Verzeichnis der ausgezeichneten Buschenschänken und Winzerzimmer.
www.weinland-steiermark.at

Verzeichnis aller Buschenschänken
www.buschenschank.at

Wiener Heurigenkalender
Übersicht der Wiener Heurigen und deren Öffnungszeiten.
www.wienerheurige.at


Heurigenmusik – Dudeln, trinken, musizieren

Die Wiener Schrammel-und Heurigenmusik lebt auf schräg und originell wie nie. Und das nicht nur in Wien.

Einmal im Monat kommt im Café Prückel in der Wiener Innenstadt eine eingeschworene, aber immer größer werdende Gemeinde zusammen: Hier, wo normalerweise Intellektuelle, Schriftsteller und Journalisten ihr „zweites Büro“ aufgeschlagen haben, zelebriert Agnes Palmisano das „Dudeln“. Die Sängerin mit dem jungenhaften Charme genießt mit dieser altwienerischen Form des Koloraturjodlers mittlerweile Kultstatus, zumal auch die Texte ihrer Lieder zeigen, dass das originale Wienerlied wenig mit der klischeehaften und weingetränkten Heurigenseligkeit zu tun hat. Da wird geschimpft, geliebt und betrogen, da geht es trotz unbestrittener Grundmelancholie mitunter recht deftig zur Sache, da siegen die Kleinen über die Großen und Frauen über Männer. Und das auf allerhöchstem musikalischen Niveau. Palmisano studierte klassischen Gesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, ihre „Meisterkurse“ in echter Wiener Musik absolvierte sie freilich fernab der Universität, etwa bei den alten Volkssängern Trude Mally und Kurt Girk, genannt „der Frank Sinatra von Ottakring“.

Agnes Palmisano ist der lebende Beweis für die Kontinuität einer Tradition, die ihren Anfang im 19. Jahrhundert nahm, in den Lokalen der Vorstadt, als die berühmten Gebrüder Schrammel mit ihrem Quartett ganze Hallen füllten. Wie ihre modernen Nachfolger waren auch Johann und Josef Schrammel ausgezeichnet ausgebildete Musiker. Da es auch bei den großen, renommierten Orchestern nicht viel zu verdienen gab, überredete Josef seinen älteren Bruder, ein Heurigenquartett zu gründen. Gemeinsam mit dem Kontragitarristen Anton Strohmayer und dem Klarinettisten Georg Dänzer schrieben die Gebrüder Schrammel Musikgeschichte. Das „Illustrierte Wiener Extrablatt“ notierte 1883, welche Magie von dem Quartett ausging, wie sehr „die Schrammeln“ auch Gasthaussäle in Kunsttempel verwandeln konnten.

Kronprinz Rudolf, ein Liebhaber der guten Volksmusik, verehrte die Gebrüder Schrammel, besuchte mit seiner Geliebten Mary Vetsera inkognito ihre Konzerte und lud sie ein, bei Hof zu spielen. Johann Strauß und Johannes Brahms streuten den beiden Geigern verbale Rosen, und die Wiener Philharmoniker luden sie zum Festkonzert. Die Gebrüder Schrammel hinterließen etwa 250 Kompositionen, vor allem Walzer, Lieder, Tänze.

Diese Kompositionen werden auch heute noch – oder wieder – gespielt. Zum Beispiel von den Neuen Wiener Concertschrammeln, deren Repertoire auch Werke anderer Musiker und eigene Kompositionen umfasst. Das Quartett um den „König der Kontragitarre“, Peter Havlicek, zeigt sich bodenständig und gleichzeitig multikulturell: Peter Uhler an der Geige ist nicht nur studierter Violinist, sondern auch Weinbauer in Grinzing. Valmir Ziu studierte Violine an der Musikakademie Tirana (Albanien) sowie an der Universität für Musik in Wien. Günter Haumer an der chromatischen Knopfharmonika spielte schon am Wiener Burgtheater auf, und Peter Havlicek ist als Kontragitarrist ohnehin einer der Leitmusiker der neuen Wiener Volksmusik.

Nicht nur in Wien wird den Gebrüdern Schrammel gehuldigt, sondern auch in Litschau im nördlichen Waldviertel. Dort findet jedes Jahr im Juli rund um den idyllischen Herrensee das Schrammel.Klang.Festival statt. Für die Besucher bietet sich eine in dieser Form einmalige Kombination von Natur, Kultur und Kulinarik: Vormittags der Matinee im Festzelt lauschen, danach auf ein erfrischendes Bad in den Herrensee. Nach einem kleinen Spaziergang rund um den See oder in den angrenzenden Wäldern freut man sich bereits auf das Mittagessen beim Schrammelheurigen, wo Waldviertler Spezialitäten lokaler Produzenten angeboten werden. Und nach der geräucherten Bratwurst und dem Mohnstrudel umweht einen bereits der Schrammelklang: Auf mehreren Naturbühnen um den See treten die berühmtesten Interpreten des Genres auf. Auf der Hauptbühne im Strandbad wird bis spät in die Nacht musiziert – und natürlich, wie sollte es bei Schrammelmusik anders sein, Wein getrunken. Festival-Leiter Zeno Stanek, halb Wiener, halb Litschauer, möchte trotz der gemütlichen Stimmung aber kein reines Nostalgie-Event veranstalten: „Wir beleuchten hier auch moderne Aspekte der Schrammelmusik. Es existieren nicht nur Schrammel- Quartette in klassischer Besetzung, sondern auch ganz moderne und zeitgenössische Ensembles. Mein Traum ist es, Schrammelmusiker aus allen Kontinenten einzuladen. In Asien und Amerika wurde ich schon fündig, in Afrika suchen wir noch.“

Warum aber findet dieses dreitägige Fest der Wiener Musik ausgerechnet in Litschau statt? Zeno Stanek kennt die Antwort: „Kaspar Schrammel, der Vater der Brüder Schrammel, ist in Litschau geboren und aufgewachsen. Seitdem gilt die nördlichste Stadt Österreichs als Schrammelstadt. Litschau ist also die Wiege der berühmten Wiener Heurigen- und Tanzmusik.“

Dort, wo die Brüder Schrammel wirkten, im einstigen Wiener Vorort Neulerchenfeld, hat sich die Tradition des Musizierens in Gasthäusern bis heute gehalten. Der 16. Bezirk, Ottakring, gilt nach wie vor als Zentrum der lebendigen Wienermusik-Szene. Im Bockkeller in der Gallitzinstraße hat das sehr engagierte und auch wissenschaftlich tätige Wiener Volksliedwerk einen Künstlertreff eingerichtet. Und hier treten sie alle auf, die Stars einer immer größer werdenden Szene, wie der exzentrische Roland Neuwirth, die lakonischen „Strottern“ oder die schrägen Musiker des „Kollegium Kalksburg“, die Instrumente wie eine singende Säge oder einen Kamm verwenden. Zwei Dinge verbindet die modernen Wiener Volksmusiker: Sie hängen erstens an der Tradition und nehmen doch das Wienerlied und die Wiener Musik zum Anlass, eine eigene, oft vollkommen neue Musiksprache zu entwickeln. Und zweitens – sei es auch nur ein Klischee –, sie trinken gerne Wein.

LINKTIPPS:

Agnes Palmisano
www.agnes-palmisano.at

Wiener Concert Schrammeln
www.concertschrammeln.at

Kalkgsburg
www.kollegiumkalksburg.at

Schrammel.Klang.Festival.
www.schrammelklang.at

wiener volksliedwerk
www.wvlw.at

Wienerliedfestival
www.weanhean.at

RolandNeuwirth
www.extremschrammeln.com

Philarmonia Schrammeln Wien
www.philharmoniaschrammeln.at

Bezirksmuseum Hernals
Ein Schrammel-Gedenkraum informiert über die Gebrüder
Schrammel, die Initiatoren des bekannten Schrammel-Quartetts und die
Volkssänger.
www.bezirksmuseum.at/default/index.php?id=363

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