Diabetes – das kleine Ebook

knipseline_pixelio.de

Vorwort

Kann ein Leiden mit dem harmlos klingenden Namen „Zuckerkrankheit“ tatsächlich etwas wirklich Ernsthaftes sein? Leider ja, denn die damit gemeinte Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus ist potenziell tödlich. Sie ist außerdem eine häufige Ursache für Erblindung, Niereninsuffizienz, Herzinfarkt, Schlaganfall und die Amputation von Gliedmaßen.

Diabetes ist aber nicht nur eine ernst zu nehmende, sondern auch eine immer stärker um sich greifende Erkrankung. Die Zuckerkrankheit, wie Diabetes auch genannt wird, nimmt dramatisch zu. Bis zum Jahr 2030 wird laut einer Schätzung der International Diabetes Federation (IDF) die Zahl der von Diabetes Betroffenen in Deutschland auf acht Millionen Menschen steigen. Derzeit leiden rund sechs Millionen Deutsche daran. Nach den Angaben der IDF trifft es Männer und Frauen etwa gleichermaßen. Aufgeschlüsselt nach Alter gibt es aktuell in der Gruppe der 60- bis 79-Jährigen die meisten an Diabetes erkrankten Menschen.

Ein Diabetes kommt selten alleine. Oft führt er zu einer ganzen Reihe von teils schweren Folgeerkrankungen. Vor allem das Herz-Kreislaufsystem kann Schaden nehmen. So leiden etwa mehr als 75 Prozent aller Herzinfarktpatienten unter einem gestörten Zuckerstoffwechsel. Besonders der sogenannte stumme Herzinfarkt ist für Diabetiker ein Problem. Diese Form des Infarkts verläuft schmerzlos und wird daher oft nicht erkannt. Sie kommt nach einer Untersuchung von Wissenschaftlern um Wilbert S. Aronow vom New York Medical College bei Zuckerkranken ohne bislang bekannte Herzprobleme besonders häufig vor. Sie sind mehr als doppelt so oft betroffen wie ebenfalls beschwerdefreien Patienten, die nicht unter Diabetes leiden. Auch Nieren- und Augenprobleme können durch einen Diabetes entstehen. Die Gefahr, dass es zu einem Schlaganfall kommt, steigt ebenfalls deutlich an.

Besonders häufig ist die sogenannte diabetische Neuropathie. Fast jeder dritte Diabetiker leidet als Folge seiner Grunderkrankung an dieser Störung der Nervenfunktion. Erste Symptome einer Schädigung der Nerven sind zum Beispiel ein verringertes Berührungs- und Sensibilitätsempfinden in den Füßen oder Händen. Auch Brennen, Kribbeln sowie Taubheit und Schmerzen in den Extremitäten sind ein wichtiger Hinweis darauf, dass das „süße Gift“ bereits Nerven und Gefäße in Mitleidenschaft zieht. Wird nicht rechtzeitig gegengesteuert, kann es in Folge zu schwerwiegenden Komplikationen bis hin zum Diabetischen Fußsyndrom kommen.

Doch Diabetes ist kein unabwendbares Schicksal. Schwere Folgeschäden können mit einer guten Einstellung des Blutzuckers und der zusätzlichen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam bekämpft werden! Eine Diabetes-Schulung und die schrittweise Vereinbarung von realistischen Behandlungszielen sind besonders wichtig. Diabetes-Selbsthilfegruppen unterstützen Sie bei der Bewältigung der Erkrankung.

Bitte beachten Sie:

Dieses Buch enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung verwendet werden. Es kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Bitte suchen Sie bei Verdacht auf Diabetes unbedingt einen Arzt auf!

Behandlung

An erster Stelle der Diabetes-Behandlung steht immer ein Plus an Bewegung und gesunder Ernährung. Reicht das nicht aus, um die Zuckerwerte zu normalisieren, helfen Medikamente, die den Zuckerwert absenken. Mittlerweile gibt es Präparate, die diese Aufgabe mit weniger Nebenwirkungen (z. B. Gewichtszunahme, Gefahr der Unterzuckerung) erfüllen und die sich zugleich positiv auf andere Risikofaktoren wie etwa hohe Blutfette auswirken. Die neuen Medikamente sind zudem effektiver bei Patienten, die schlecht auf die Gabe von Insulin ansprechen.

Ein gut eingestellter Blutzucker ist auch der erste Schritt zur Vermeidung gefährlicher Folgeerkrankungen. Die Ursache für diese bedrohlichen Schädigungen liegt in den aggressiven Abbauprodukten des überschüssigen Zuckers, unter denen Diabetiker leiden. Er setzt Nerven und Gefäßen zu und verursacht schließlich die gefürchteten Folgeschäden. Damit es erst gar nicht so weit kommt, muss zu allererst der Blutzucker normalisiert werden: durch ein Bewegungsprogramm, durch Veränderungen bei der Ernährung und durch die vom Arzt verordneten Medikamente. Das sorgt am effektivsten dafür, dass die schädlichen Abbauprodukte wie etwa aggressive Zucker-Eiweißverbindungen (AGES) erst gar nicht entstehen.

Alternativen Behandlungsstrategien

Auch aus dem Bereich der alternativen Behandlungsstrategien werden immer wieder Neuigkeiten gemeldet. Naturheilmittel zur Senkung des Blutzuckerspiegels wie etwa Knoblauch oder Zimt können allerdings die medikamentöse Diabetestherapie nicht ersetzen: Sie nützen leider kaum etwas, wenn man bereits Diabetes hat. Bei Menschen, die kurz davor stehen, die Schwelle zum Diabetes zu überschreiten, kann das aber manchmal helfen, den Ausbruch der Krankheit etwas hinauszögern. Gänzlich raten viele Experte hingegen von der in letzter Zeit oft angepriesenen „Scharlatanerie“ der Frisch- oder Stammzelleninjektionen für Typ 1 Diabetiker ab. Hierzu gibt es derzeit keine wissenschaftlich nachgewiesenen Effekte.

Bewegung

Eine ungesunde, zucker- und fettreiche Ernährung fördert Diabetes. Sie führt aber nicht zwangsläufig dazu, dass der Zuckerstoffwechsel entgleist. Auch ob jemand ein Sportmuffel oder eher bewegungsfreudig ist, spielt eine ganz wichtige Rolle. Aktive Muskeln kurbeln die Insulinwirkung an, was den Abbau des Blutzuckers erleichtert. Wer ausreichend Bewegung in sein Leben integriert, erkrankt daher deutlich seltener an Typ 2 Diabetes.

Schon wenig hilft

Um diesen Schutzeffekt zu erreichen, sind keine stundenlangen sportlichen Aktivitäten nötig. Schon kurze Spaziergänge von 15 Minuten ein- oder zweimal täglich helfen. Besonders gesundheitsfördernd ist der Verdauungsspaziergang nach dem Abendessen. Viele Menschen, die etwa aus beruflichen Gründen tagsüber wenig Zeit für eine ordentliche Mahlzeit haben, essen am Abend besonders viel. Legt man sich anschließend auf die Couch vor den Fernseher, bleibt der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum auf einem hohen Niveau. Macht man stattdessen einen kleinen Spaziergang, sinken die Zuckerwerte auf ganz natürliche Weise, was effektiv vor Typ 2 Diabetes schützt. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei Menschen über 60 Jahren.

Enorm wichtig ist das für Menschen, die unter einem erhöhten Blutdruck und zu hohen Cholesterinspiegeln leiden, da bei Diabetes meist mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Ein erhöhtes Risiko tragen auch erblich belastete Menschen, in deren Familie bereits Diabetes aufgetreten ist. Kommen mehrere Belastungen zusammen, kann ein Auslöser das Fass sozusagen zum Überlaufen bringen. Eine Stresssituation oder eine Infektion lassen die Zuckerwerte dann oft ganz plötzlich und dauerhaft entgleisen.

Alle medikamentösen Maßnahmen sind nur begrenzt wirksam, wenn zwei wichtige Säulen der Diabetes-Behandlung und -Prävention, die Ernährung und die Bewegung, nicht zum Tragen kommen. Denn die Zusammensetzung des Speiseplans und das Fitnessprogramm haben einen ganz entscheidenden Einfluss darauf, wie vital Menschen mit Diabetes leben können. Zahlreiche Studien zeigten zum Beispiel, dass fitte Diabetiker eine wesentlich höhere Lebenserwartung haben als ihre bewegungsarmen Leidensgenossen.

Diabetiker können ihrer Erkrankung regelrecht davonlaufen. Mit einem Bewegungsprogramm lässt sich bei der Therapie noch mehr erreichen, als mit der ebenfalls sehr wichtigen Ernährungsumstellung. Das weiß die Medizin seit einigen Jahren. Daher wird heute jedem Diabetiker dringend ans Herz gelegt, regelmäßig Sport zu treiben.

Wie positiv sich Bewegung auf den Krankheitsverlauf auswirkt, zeit eine groß angelegte Studie: Menschen mit Diabetes vom Typ 2, die mindestens drei Mal in der Woche eine Sporteinheit absolvieren, tragen erheblich dazu bei, dass der Langzeitwert ihres Blutzuckers sinkt.

Mit dem Sommer losstarten

Die warme Jahreszeit ist ideal, um davon zu profitieren und sozusagen in die Gänge zu kommen. Denn jetzt machen Walken, Laufen oder Radfahren an der frischen Luft so richtig Spaß. Damit fällt es auch Typ-2-Diabetikern leichter, sich von lieb gewonnenen Bewegungsgewohnheiten zu verabschieden. Die nötige Unterstützung beim Start in ein bewegtes Leben bietet etwa das Diabetes Programm Köln (www.diabetes-programm-koeln.de). Es beginnt mit Beginn der warmen Jahreszeit bundesweit an vielen Standorten mit dem Lauftraining.

Die Initiative wird von der Sporthochschule Köln und anderen Partnern unterstützt. Sie hilft Typ-2- und auch Typ-1-Diabetikern dabei, Sport zu einem regelmäßigen Bestandteil ihres Alltags zu machen. Unter medizinischer und sportwissenschaftlicher Aufsicht lernen die Teilnehmer, die Kraft des Sports für die Verbesserung ihres Stoffwechsels zu nutzen. Sich gemeinsam zu bewegen, ist für Diabetiker, die sich oft selbst als „Bewegungsmuffel“ sehen, ganz besonders wichtig. Auch bewegungsfreudige Freunde oder der Partner können enorm dazu beitragen, damit Diabetiker ihre Erkrankung durch Sport in den Griff bekommen.

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist heute ein Sammelbegriff für eine ganze Reihe von Stoffwechselstörungen. Im Zentrum steht immer eine Überzuckerung des Blutes (Hyperglykämie). Die Ursache dafür steht im Zusammenhang mit dem Insulin als wichtigsten Hormon, das den Zuckerstoffwechsel im menschlichen Körper reguliert: Die Störung resultiert aus einem Mangel beziehungsweise aus einer abgeschwächten Wirksamkeit des Insulins. Beide Möglichkeiten können auch gemeinsam auftreten.

Wenn der Lebensstil krank macht

Diabetes mellitus lässt sich in die zwei Hauptformen Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes unterscheiden. Beim Typ-1-Diabetes kommt die körpereigene Produktion von Insulin vollständig zum Erliegen, während beim Typ-2-Diabetes der Körper nur noch unzureichend auf die körpereigene Insulinausschüttung reagiert – es liegt eine sogenannte Insulinresistenz vor. Eine der Hauptursachen des weit häufigeren Diabetes Typ-2 ist Übergewicht beziehungsweise ein ungesunder Lebensstil. Daneben weiß die Wissenschaft heute, dass vermutlich mehrere Gene an der Entstehung des Typ-2-Diabetes beteiligt sind.

Der daraus resultierende Diabetes mellitus ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Stoffwechselstörungen. Ihr gemeinsames Merkmal ist immer eine Überzuckerung des Blutes, eine sogenannte Hyperglykämie. Der Körper reagiert nur mehr unzureichend auf die körpereigene Insulinausschüttung – es kommt zur gefürchteten Insulinresistenz. Die Betroffenen merken davon meist vorerst nichts, da diese Resistenz keine Schmerzen verursacht. Das führt dazu, dass die damit verbundenen Gefahren oft unterschätzt werden.

Diabetischer Fuß

Ein Diabetes kann die Nerven und die kleinen Blutgefäße angreifen, die die sensiblen Nervenfasern versorgen. Die Folge: Etwa jeder zweite bis dritte Diabetiker in Deutschland entwickelt eine diabetische Neuropathie. Diese macht sich zunächst meist an den Extremitäten bemerkbar, da die längsten Nervenbahnen am empfindlichsten sind. Die Symptome reichen von Missempfindungen über Wahrnehmungsstörungen und Taubheit bis zu unerträglichen Schmerzen. Die Nervenschädigung kann auch das autonome Nervensystem betreffen, das die inneren Organe steuert. Die Folgen der autonomen Neuropathie reichen von der Impotenz über Funktionsstörungen des Verdauungstrakts bis zum Herzinfarkt.

Eine gefürchtete Folge ist der diabetische Fuß mit offenen Geschwüren. Im schlimmsten Fall muss dieser amputiert werden.

Schutzmaßnahmen

Neben der optimalen Blutzuckereinstellung gibt es für Diabetiker noch weitere Tipps für die Gesunderhaltung der Füße: Sie sollten etwa nie barfuß laufen – auch nicht in der Wohnung. Gerade am Strand oder in der Wiese lauern Gefahren, die selbst bei winzigen Verletzungen schwere Infektionen auslösen können. Auch im Sommer sollten die Füße unbedingt jeden Tag sorgfältig auf Verletzungen abgesucht werden. Da in der warmen Jahreszeit Pilzerkrankungen und Verhornungen öfter auftreten, ist die medizinische Fußpflege jetzt besonders wichtig! Diabetiker sollten außerdem daran denken, dass die Füße im Lauf des Tages stärker anschwellen – Schuhe sollten daher immer erste gegen Abend gekauft werden!

Diabetikerfüße sind zwar „Sensibelchen! – ein ordentliches Maß an Bewegung vertragen sie bei guter Pflege aber problemlos. Wie wichtig diese ist, belegt eine Studie von Sportmedizinern der Uni Münster. Sie untersuchten Diabetiker, die an einer Neuropathie, also an einer Schädigung der Nerven, litten und stellten fest: Je weniger sich die Betroffenen bewegen, desto ausgeprägter ist die Erkrankung. Die Wissenschaftler empfehlen neben Spaziergängen, Walken, Schwimmen oder moderates Krafttraining.

Erhöhter Blutzucker

Was können Diabetiker gegen die vielfältigen Folgeerkrankungen des Diabetes tun? Um das Übel an der Wurzel zu bekämpfen, steht zu allererst der Auslöser aller Komplikationen im Fokus: der erhöhte Blutzucker. Er sollte so früh wie möglich erkannt und so gut wie möglich eingestellt werden. Zur frühzeitigen Diagnose tragen regelmäßige Gesundheitschecks beim Arzt bei.

Wurde ein Diabetes diagnostiziert, ist von Anfang an – neben den vom Arzt verordneten Maßnahmen – auch Eigeninitiative gefordert. Denn zu den wirksamsten zuckersenkenden Mitteln gehören eine bewusste Ernährung und regelmäßige Bewegung. Dadurch werden auch weitere Risikofaktoren für die Gefäße, wie Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen, positiv beeinflusst.

Erkrankungsursachen

Die Frage nach den Ursachen für die Zunahme des Typ 1 Diabetes konnte die Wissenschaft noch nicht eindeutig beantworten, doch beim weit häufigeren Typ 2 kennt man die Gründe. Diabetes wird heute besser diagnostiziert und zudem werden die Menschen älter. Das geht automatisch mit einem höheren Risiko für Diabetes einher, da die Insulin erzeugende Bauchspeicheldrüse mit höherem Lebensalter weniger gut funktioniert.

Der im wahrsten Sinn des Wortes gewichtigste Grund für die Zunahme ist allerdings der Lebensstil: Die Deutschen werden immer dicker – vor allem dann, wenn sie zu den Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen und geringer Bildung zählen. Ein immer größerer Prozentsatz der Menschen zwischen 18 und 64 Jahren ist übergewichtig: 28 Prozent der Frauen und jeder zweite Mann bringen zu viel auf die Waage. 15 Prozent der Männer und jede zehnte Frau sind sogar adipös, also stark übergewichtig. Auch unter den Schulkindern zwischen sieben und 14 Jahren grassiert die Fettleibigkeit. Etwa ein Fünftel der Mädchen und fast jeder vierte Bub sind übergewichtig oder adipös.

Das ist äußerst besorgniserregend! Damit die Blutzucker-Werte erst gar nicht entgleisen, gilt es nämlich vor allem eines im Auge zu behalten: die Anzeige der Personenwaage. Übergewicht ist ganz klar die Hauptursache für Diabetes. Vor allem bauchbetontes Übergewicht lässt das Diabetes-Risiko in die Höhe schnellen.

Ernährung

Ein Hauptübel bei der Entstehung von Diabetes ist Zucker, wie er in Süßigkeiten, Softdrinks, Mehlspeisen oder Weißbrot und versteckt auch in vielen Fertiggerichten enthalten ist. Zucker trägt in zweifacher Hinsicht zu Diabetes bei. Er macht dick, da ein Übermaß im Körper zu Fett umgewandelt wird. Das überlastet viele Organe und ebenso die Bauchspeicheldrüse, die das Insulin ausschüttet. So wie ein Mittelklassewagen nicht für die Anforderungen an einen Kleinlastwagen ausgestattet ist, funktionieren auch die Organe des Menschen nur in einer gewissen „Gewichtsklasse“ störungsfrei. Die Zellen können in Folge den Zucker nur unvollständig aufnehmen und abbauen; er zirkuliert weiterhin im Blut und der Blutzuckerspiegel steigt. Ein dauernder Zuckerüberschuss (Hyperglykämie) im Blut, der langfristig die Gefäße, Augen, Nerven und Nieren schädigt, ist das Kennzeichen aller Diabetes-Formen.

Zucker trägt aber nicht nur über die Gewichtszunahme zum Diabetes bei. Die sogenannten Einfachzucker, wie sie in den oben genannten Speisen enthalten sind, haben noch einen weiteren Nachteil: Der Körper muss sie – anderes wie etwa bei den kohlenhydratreichen Hülsenfrüchten – nicht erst aufspalten. Die in Werbeslogans gerne hervorgehobene Tatsache, dass Traubenzucker (so wie anderer Zucker) sofort ins Blut geht und neue Energie spendet, hat Schattenseiten. Der Körper braucht innerhalb kurzer Zeit sehr viel Insulin, um den aufgenommenen Zucker aus dem Blut in die Zellen zu schleusen.

Das alles bedeutet Schwerstarbeit für die Bauchspeicheldrüse. Sie schüttet immer noch mehr Insulin aus und überschreitet immer öfter die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bis hin zur Erschöpfung. Diese Überforderung führt schließlich dazu, dass die Menge des ausgeschütteten Insulins abnimmt, obwohl es immer noch dringender benötigt wird. Denn die lange Zeit mit Insulin regelrecht überschütteten Körperzellen brauchen wie ein Drogensüchtiger immer mehr „Stoff“, also Insulin, um überhaupt noch davon zu profitieren. Diesen Zustand nennt man Insulinresistenz.

Vorsicht bei Gegrilltem!

Nicht nur ein Zuviel an Ernährung kann krank machen. Auch das, was auf den Tisch kommt, ist mehr oder weniger bekömmlich, wenn es um Diabetes geht. So bergen etwa Diabetiker bergen Gebratenes, Gegrilltes und Gebackenes Gefahren, die vielen nicht bewusst sind. Beim starken Erhitzen entstehen nämlich die sogenannten AGEs (Advanced Glycation Endproducts). Diese Zucker-Eiweiß-Verbindungen können die Blutgefäße attackieren. Sie sorgen dafür, dass sich die Adern verengen und die bei Diabetes ohnehin oft nicht optimale Durchblutung noch schlechter wird. Daher sollten Diabetiker nicht nur sehr fett- und kohlenhydratreiche Nahrungsmittel, sondern auch stark erhitzte Gerichte meiden und durch Alternativen wie etwa Gedämpftes ersetzen.

Das trägt zu stabile Blutzuckerwerte bei – einer wichtige Voraussetzung für die Verhinderung der gefährlichen Folgeerkrankungen eines Diabetes wie etwa Nervenschäden.

Familiäre Unterstützung

Diabetes ist eine Familienerkrankung: Damit ist nicht nur die Tatsache gemeint, dass Nachkommen von Menschen mit Typ-2-Diabetes genetisch bedingt ein höheres Risiko haben, ebenfalls diese Erkrankung zu entwickeln. Es bedeutet im positiven Sinne auch, dass ein gemeinsames Diabetes-Management innerhalb der Familie bei der Bewältigung der Stoffwechselstörung helfen kann.

Gemeinsam gegen Folgeschäden

Um dieses Ziel zu erreichen, ist für Angehörige vor allem Information wichtig. Wer über die Erkrankung, das Messen des Blutzuckers, über Insulin und richtige Ernährung Bescheid weiß, fühlt sich weniger hilflos und kann den Familienangehörigen bestmöglich unterstützen. Das gilt auch für die gefürchteten Folgeerkrankungen. Angehörige sollten wissen, dass durch Diabetes verursachte Herz- und Nervenschäden bis hin zum diabetischen Fuß kein unausweichliches Schicksal sind. So können sich Angehörige und Patienten zum Beispiel vom Arzt oder Diabetesberater in der wichtigen Fußinspektion und –pflege schulen lassen oder sich erklären lassen.

Im Zentrum dessen, was Angehörige tun können, steht natürlich immer die optimale Stoffwechseleinstellung mittels maßgeschneiderter Diabetestherapie. Das nötige Wissen dafür bieten vom Arzt vermittelte Diabetiker-Schulungen an, an denen auch Partner und Familienangehörige teilnehmen können. Hier erfährt man zudem Wissenswertes rund um die Symptome einer Unterzuckerung und die richtige Reaktion im Notfall.

Mit Diabetes eine gute Partnerschaft leben

Ein Diabetes mellitus ist eine Belastungsprobe für die Partnerschaft. Umso wichtiger ist es, daran zu denken, dass Stimmungstiefs bis hin zu ernsthaften Depressionen in der Erkrankung wurzeln können. Um Stress zu vermeiden, sollte man zudem mit dem betroffenen Partner das Verhalten bei Unterzuckerung besprechen. Bei aller Rücksichtnahme auf die Erkrankung sollte diese aber möglichst nicht im Mittelpunkt der Partnerschaft stehen. Gemeinsame Aktivitäten, die Spaß machen, geben Kraft für den Alltag und die Bewältigung der Krankheit.

Folgeerkrankungen

Man kann, auch wenn das relativ selten ist, unmittelbar an Diabetes sterben. Weit häufiger sind jedoch schwere Erkrankungen als Folge eines (nicht optimal behandelten) Diabetes Typ 2. Ursache dafür ist der überschüssige Zucker, der sich im Blut ansammelt. Da er nicht seinen vorgesehenen Weg in die Zellen als Energielieferant gehen kann, wird er in aggressive Abbauprodukte umgewandelt. Diese lagern sich an Nerven und Gefäßen verschiedener Organe ab. Die Gefahr einer Arteriosklerose, also einer Arterienverkalkung, steigt in Verbindung mit anderen Risikofaktoren (hoher Blutdruck, hohe Blutfette, Rauchen) dadurch dramatisch.

Das wiederum fördert Herzinfarkt und Schlaganfall. Diabetiker sind durch die gefäßschädigende Wirkung des erhöhten Blutzuckers wesentlich häufiger von einem Infarkt betroffen als Stoffwechselgesunde. Und häufig führt dieses dramatische Ereignis erst auf die Spur der Zuckerkrankheit: Etwa zwei Drittel der Herzinfarktpatienten ohne zuvor bekannten Diabetes haben einen gestörten Zuckerstoffwechsel.

Auch die Gefahr einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit erhöht sich. Die geschädigten Gefäße können das Gewebe der Beine nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Im Endstadium des sogenannten Diabetischen Fußes können dadurch Zehen oder größere Teile des Beines absterben, die amputiert werden müssen.

Der erhöhte Blutzucker greift auch die kleinen Kapillargefäße an, die Augen und Nieren versorgen. Schäden an diesen feinen Gefäßen können Nierenversagen und Sehstörungen bis hin zur Erblindung nach sich ziehen. Gerade die feinen Gefäße der Augen sind sehr anfällig für Diabetes-bedingte Schäden. Die daraus entstehende diabetische Retinopathie ist die Ursache für nahezu ein Drittel aller Erblindungen in Europa. Ein schlecht eingestellter oder unerkannter Diabetes kann zu Durchblutungsstörungen der Netzhaut und damit zu Sehstörungen bis hin zur Erblindung führen. Auch die Nieren können stark darunter leiden. Empfindungs- und Durchblutungsstörungen in den Beinen, eine gestörte Wundheilung und schwer behandelbare Geschwüre sind weitere mögliche Folgen.

Etwa jeder dritte Diabetiker ist von Nervenschäden, der sogenannten Neuropathie, betroffen. Diese macht sich meist zuerst an den Füßen oder Händen bemerkbar: durch ein Kribbeln, Brennen, ein pelziges Gefühl, durch Schmerzen oder Taubheit. Die Symptome sind nicht nur unangenehm, sondern bergen gleichzeitig die Gefahr, dass Wunden, Druckstellen oder Blasen an den Füßen häufig nicht wahrgenommen werden. Diese können sich entzünden und zu einem diabetischen Fuß zuspitzen, der schlimmstenfalls eine Amputation zur Folge hat.

Die Neuropathie kann aber auch die inneren Organe betreffen und hier vielfältige Störungen verursachen. Und unter anderem kann sie einen Herzinfarkt verschleiern, indem die geschädigten Nerven des Herzens keine warnenden Schmerzen signalisieren. Der so genannte „stumme“ Herzinfarkt ist eine tückische Gefahr für Diabetiker, da eine späte Diagnose des akuten Infarkts die Prognose verschlechtert.

Weitere mögliche Folgeschäden betreffen Entleerungsstörungen von Darm und Blase oder Impotenz als Zeichen einer diabetischen Neuropathie.

Häufigkeit der Erkrankung

Deutschland zählt zu den europäischen Ländern mit der größten Diabetes-Häufigkeit. Die Zahl der Betroffenen ist hoch. Laut dem „Deutschem Gesundheitsbericht Diabetes“ sind etwa sieben Millionen Menschen im Land an Diabetes erkrankt. Dazu kommt vermutlich noch eine hohe Dunkelziffer. Denn viele Betroffene ahnen nichts von ihrem Leiden, das lange symptomlos verlaufen kann.

Diese Zahl wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch weiter ansteigen und könnte sich nach Meinung von Experten bis 2030 sogar verdoppeln. Auch die Folgeerkrankungen des Diabetes werden stark zunehmen. So dürfte die bereits jetzt erschreckend hohe Zahl von 25.000 Diabetes-bedingten Fußamputationen noch weiter ansteigen, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird.

Zudem hat sich der Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens von Diabetes in den vergangenen Jahren deutlich nach unten verschoben. War früher „Zucker“ ein Thema für 60- oder 70plus, sind jetzt immer mehr Menschen ab 50 oder sogar schon ab 40 Jahren betroffen. Auch Kinder und Jugendliche erkranken heute an Typ 2 Diabetes, was vor 20 Jahren noch völlig unbekannt war.

Heilungschancen

Diabetes Typ 2 lässt sich gut in den Griff bekommen, vorausgesetzt man ändert jenen Lebensstil, der den „Zucker“ verursacht hat. Durch konsequente Ernährungsumstellung und Bewegung lässt sich Diabetes Typ 2 sogar heilen, so die gute Nachricht. Wer ohne Diabetes-Medikamente auskommen will, muss sich vor allem konsequent bewegen.

Wie man erst seit einigen Jahren weiß, erreicht man auch bei der Behandlung eines bereits eingetretenen Diabetes mit Sport sehr viel, und zwar noch mehr als mit einer Ernährungsumstellung. Früher wurde in der Diabetes-Beratung der Schwerpunkt vor allem auf die Ernährung gelegt; heute sind Bewegungsprogramme wichtiger geworden. Das richtige Maß weiß etwa der für erfolgreiche Diabetes-Behandlungsstrategien geschulte Hausarzt.  Sie können ihre Patienten bei der Bewältigung der Erkrankung unterstützen. Sie sind auch in Sachen gesunder Ernährung besonders geschult.

Am besten geht es jenen Erkrankten, die mediterrane Kost mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Fisch, Olivenöl und Nüssen verspeisen. Hochverarbeitetes Getreide und Weißmehlprodukte sowie rotes Fleisch sollten nur sehr selten auf den Tisch kommen. Auch Salz sollte man sparsam verwenden.

Das rechtzeitige Gegensteuern mit einem gesünderen Lebensstil kann verhindern, dass sich ein manifester Diabetes entwickelt. Hier liegt die große Chance: Im Anfangsstadium lässt sich der Typ 2 Diabetes noch sehr gut durch den Lebensstil beeinflussen. Mit einer gesunden Ernährung, dem Meiden von Übergewicht und regelmäßiger Bewegung kann der Blutzuckerspiegel in diesem Stadium oftmals wieder normalisiert werden. Denn der Typ 2 Diabetes, von dem 90 % aller Zuckerkranken betroffen sind, wird auf der Basis einer genetischen Veranlagung durch Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel ausgelöst. Im späteren Stadium des Typ 2 Diabetes versiegt die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse. Dann ist er – wie auch der Typ 1 Diabetes – durch den Lebensstil nicht mehr zu stoppen.

Hyperglykämie

Das von der Bauchspeicheldrüse gebildete Insulin ist das einzige Hormon, das den Blutzuckerspiegel senken kann. Spricht der Körper auf Insulin nicht mehr richtig an (Typ 2 Diabetes) oder wird das lebenswichtige Stoffwechselhormon von der Bauchspeicheldrüse erst gar nicht hergestellt (Typ 1 Diabetes) hat das gefährliche Folgen.

Im schlimmsten Fall entgleist der Stoffwechsel der Betroffenen völlig und es kommt zu akuten Notfällen wie einem diabetischen Koma oder einer starken Überzuckerung, der Hyperglykämie.

Neuropathie

Besonders häufig unter den Diabetes-Folgeerkrankungen ist die Neuropathie: Sie trifft bis zu 50 Prozent aller Diabetiker. Typische Symptome sind Missempfindungen wie kalte Füße und Hände, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Brennen. Die Schädigung der Nerven kann so weit fortschreiten, dass es zum sogenannten diabetischen Fuß kommt, der schließlich abgenommen werden muss. Tausende Amputationen erfolgen in Deutschland jedes Jahr aus diesem Grund.

Diabetische Nervenstörungen bleiben oft unerkannt. Eine Studie am Leibnitz-Zentrum für Diabetesforschung der Uni Düsseldorf ergab, dass nur einer von zehn Neuropathie-Patienten von seiner Nervenerkrankung weiß. Bei den Patienten mit neu diagnostiziertem Diabetes wusste sogar kein einziger von seiner Nervenstörung, zeigte die Untersuchung unter Menschen zwischen 61 und 82 Jahren. Dabei ist die Frühdiagnose einfach: Nervenschäden lassen sich durch Kontrolle des Vibrations- und Berührungsempfindens an den Füßen nachweisen.

Nervenstörungen und „Zuckerkrankheit“ hängen eng zusammen. Glucose, wie der Zucker auch genannt wird, ist ein wichtiger Energielieferant des Körpers. Bei einem entgleisten Stoffwechsel ist allerdings mehr davon im Blut, als der Organismus braucht und verkraftet. Der überschüssige Zucker wird in teilweise sehr aggressive Abbauprodukte umgewandelt.

Diese Abbaustoffe können eine Fülle von Gesundheitsstörungen verursachen – etwa in den Augen und Nieren oder im Herz-Kreislaufsystem. Auch die Nerven leiden darunter – insbesondere die langen Stränge in den Beinen. Nerven haben wie Stromkabel eine Isolierung. Wenn sich die schädlichen Abbauprodukte des Zuckers in ihren Zellen ablagern, wird diese Isolierung angegriffen. Die aggressiven Substanzen können außerdem die Blutgefäße schädigen, die die Nervenfasern versorgen, und so die Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr ins Nervengewebe stören. Insbesondere bei einem schlecht eingestellten Blutzucker oder bei längerer Diabetesdauer ist die Nervenerkrankung daher sehr häufig. Jeder dritte der rund acht Millionen Diabetiker in Deutschland ist davon betroffen.

Gefährliche Nervenstörungen durch Diabetes sind allerdings kein unabwendbares Schicksal. Eine gute Einstellung der Zuckerwerte durch Medikamente und Insulin ist für die Gesundheit der Nerven und Blutgefäße besonders wichtig. Eine Änderung des Lebensstils trägt ebenfalls zum Schutz der empfindlichen Nervenbahnen bei. Mehr Bewegung und eine gesunde Ernährung helfen dem Körper dabei, den Blutzuckerspiegel im Lot zu halten.

Prinzipiell sollten alle Maßnahmen im Kampf gegen die Neuropathie so früh und konsequent wie möglich einsetzen. Denn ab einem gewissen Zeitpunkt lassen sich Nervenschäden nicht mehr rückgängig machen. Daher ist Früherkennung auch so wichtig: Diabetiker sollten täglich ihre Füße kontrollieren und Auffälligkeiten immer ihrem Arzt mitteilen. Zu den Frühzeichen einer Neuropathie zählen auch eine ungewöhnlich trockene Haut, starke Schwielen, Verhornungen sowie ein beeinträchtigtes Temperatur- oder Berührungsempfinden an den Füßen oder Händen. Insbesondere das nachlassende Wahrnehmungsvermögen der Nerven wird von Betroffenen meist sehr spät bemerkt.

Risikogruppen

Die Frage nach den Hintergründen der „Zuckerkrankheit“ stellen sich besonders viele Betroffene. Die Antworten der Experten zeigen klar, dass Diabetes Typ 2 zwar oft unbemerkt, aber nie ohne Grund kommt. Die Krankheit betrifft besonders übergewichtige Menschen mit dem typischen „Rettungsring“ am Bauch. Auch Gichtkranke und Menschen mit einem erhöhten Blutdruck und/oder erhöhten Blutfetten sind gefährdet. Das alles „macht“ aber erst dann Diabetes, wenn eine entsprechende genetische Veranlagung dazukommt.

Das Erkrankungsrisiko ist erhöht, falls Verwandte ersten Grades an einem Diabetes mellitus leiden. Das heißt aber noch lange nicht, dass man Diabetes bekommen muss. Man sollte als Betroffener nicht in Angst vor einem möglichen Diabetes leben, sich der Gefahr aber dennoch bewusst sein und gegensteuern. „Achten Sie mehr auf Ihr Gewicht, Ihre Ernährung, auf die körperliche Betätigung und auf die eventuelle Behandlung des Bluthochdrucks“, lautet die Empfehlung von Experten an Betroffene.

Zusammenfassend kann man sagen: Das Diabetes-Risiko lässt sich aufgrund genetischer Faktoren und aufgrund des Lebensstils abschätzen. Besonders gefährdet sind Menschen, die Verwandte mit einem Typ-2-Diabetes haben, die zu bauchbetontem Übergewicht neigen und die sich wenig bewegen.

Symptome

Meist fängt es ganz harmlos an. – So harmlos, dass es Betroffene gar nicht merken: Ein erhöhter Blutzuckerspiegel verursacht anfangs in der Regel keine Beschwerden. Daher wird ein Diabetes mellitus häufig sehr spät erkannt – oftmals sogar erst, wenn er bereits spürbare Folgeerkrankungen verursacht hat.

Das alles bahnt sich unmerklich an – ohne Schmerzen und (vorerst) ohne Symptome. Die Nerven, Gefäße und Organe leiden zwar unter den hohen Zuckerwerten, es dauert aber lange, bis sie sozusagen mittels Schmerzimpulsen um Hilfe schreien. Tun sie es schließlich, haben die hohen Zuckerwerte bereits Schäden angerichtet, die sich nicht mehr umkehren und reparieren lassen. „Daher ist es besonders wichtig, dass man sich schon ab der Diabetes-Diagnose zu halten versucht, auch wenn man noch keine Beschwerden hat“, legen Diabetes-Spezialisten Betroffenen ans Herz.

Diese Folgen können ebenso vielfältig wie schwerwiegend sein: Der erhöhte Blutzucker schädigt die Blutgefäße und Nerven, wodurch viele Organe, wie Herz, Hirn, Augen und Nieren, in Mitleidenschaft gezogen werden.

Ob ein Diabetiker an einer Nervenstörung, einer sogenannten Neuropathie leidet, lässt sich an typischen Symptomen wie Kribbeln, Brennen, Taubheit oder Schmerzen in Füßen oder Händen erkennen. An heißen Sommertagen sind etwa auch heftige Schweißausbrüche beim Essen und in der Nacht ein Alarmsignal, da das gestörte autonome Nervensystem die Körpertemperatur nicht mehr richtig regeln kann.

Die Ursache: Sind die Blutzuckerwerte über einen längeren Zeitraum zu hoch bzw. kommt es – vor allem nach den Mahlzeiten – wiederholt zu Spitzen im Blutzuckerspiegel, bilden sich Ablagerungen in den Blutgefäßen, die zum Beispiel für die Versorgung der Nerven zuständig sind. Denn: Bei zu hohen Blutzuckerwerten entstehen schädliche Abbauprodukte des Zuckerstoffwechsels (so genannte „AGEs“ ), die Blutgefäße, Nerven und Organe schädigen und damit diabetische Begleit- und Folgeerkrankungen wie Neuropathien und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems begünstigen können.

Wenn die Sehkraft plötzlich nachlässt

Auch ein scheinbar grundloses Nachlassen der Sehkraft kann ein Warnsignal für die sogenannte Zuckerkrankheit sein. Dahinter stecken Schäden, die der erhöhte Blutzucker an den Kapillargefäßen anrichtet, die die Augen versorgen. Auch die Nieren können leiden, wenn die kleinen Blutgefäße dieses lebenswichtigen Organs im „Zuckerstress“ sind. Andere innere Organe können durch den Diabetes ebenfalls betroffen sein – etwa das Herz-Kreislaufsystem. Die Gefahr eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarkts steigt.

Diabetes ist ein aggressiver Feind: Mehr als 75 Prozent aller Diabetiker sterben an akuten Gefäßereignissen, vor allem an Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch die kleinen Blutgefäße in den Augen und Nieren werden in Mitleidenschaft gezogen. Dadurch ist das Risiko für Erblindungen und Nierenversagen bei Diabetikern deutlich erhöht.

Vorstufe eines Diabetes

Ein nicht erkannter Diabetes ist umso schwerwiegender, da bereits in einer Diabetes-Vorstufe der Körper Schaden erleiden kann. Denn die gestörte Glukosetoleranz setzt den Nerven und Gefäßen zu. Das wiederum führt zu gefährlichen Folgeerkrankungen wie Nervenschäden (Neuropathien), Augenschäden (Retinopathien), Nierenschäden (Nephropathien) und Durchblutungsstörungen. Herzinfarkte und Schlaganfälle werden wahrscheinlicher.

Vorsorge

Besonders wichtig sind Vorsorgeuntersuchungen, bei denen der Blutzucker unter die Lupe genommen wird. Das ist vor allem dann unverzichtbar, wenn Diabetes in der Familie gehäuft auftritt oder wenn es alarmierende Zeichen gibt: Typische Warnsignale sind eine erhöhte Urinausscheidung, starker Durst und Gewichtsabnahme.

Am wichtigsten in Sachen Diabetes-Vorsorge ist die genaue Abklärung der Blutzuckerwerte. Der Blutzucker kann nüchtern oder nach dem Essen sowie als Langzeitwert HbA1c im Blut bestimmt werden. Liegt tatsächlich ein Diabetes vor, so ist eine gute Blutzuckereinstellung die Grundvoraussetzung, um diabetische Folgeerkrankungen zu verhindern. Behandelt wird ein Typ 2 Diabetes meist mit Tabletten und erst im fortgeschrittenen Stadium mit Insulin. Außerdem haben Ernährung und Bewegung einen großen Einfluss auf die Stoffwechselstörung.

Warnsignale wie Füßekribbeln, Brennen in den Extremitäten, „Ameisenlaufen“ oder eine scheinbar grundlos nachlassende Sehkraft sollten unbedingt ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch für andere Beschwerden, die mit Diabetes einhergehen können: etwa ständiger Müdigkeit, der Neigung zu Infekten (etwa der Harnwege), vermehrtem Harndrang, Durst sowie Flüssigkeits- und Gewichtsverlust. All diese Symptome können je nach Patient auch nur leicht ausgeprägt sein oder gar nicht auftreten, was leider dazu führen kann, dass Diabetiker oft schon jahrelang an ihrer Erkrankung leiden, bevor der Arzt diese diagnostiziert. In dieser Zeit können sich sozusagen im Verborgenen die genannten Schäden an den Organen und Nerven entwickeln.

Früherkennung ist auch deshalb so besonders wichtig, weil diese Schäden vermeidbar sind: durch eine gute Einstellung der Zuckerwerte mit Hilfe von Medikamenten und Insulin sowie durch gesunde Ernährung und viel Bewegung. Das sind wichtige Strategien!

Weitere Informationsquellen

Ein einfacher Online-Test der Deutschen Diabetes-Stiftung ermittelt das Risiko, in den nächsten zehn Jahren an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

http://www.diabetes-risiko.de/risikotest.html

Gut strukturierte Infos für Diabetiker, initiiert vom Deutschen Diabetiker Bund (DDB)

http://www.diabetikerbund.de

Alles zu Ursachen, Symptomen und Therapie des diabetischen Fuß-Syndroms

http://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetisches-Fusssyndrom

Alle Hinweise und Ratschläge in diesem Buch wurden sorgfältig geprüft. Eine Garantie auf Richtigkeit oder Vollständigkeit kann dennoch nicht übernommen werden. Eine Haftung der Autoren für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist daher ausgeschlossen. Bitte kontaktieren Sie bei Beschwerden stets Ihren Haus- oder Facharzt und holen Sie professionellen Rat ein!

2. Auflage 2016

Alle Rechte vorbehalten

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Eine Verwertung, auch auszugsweise, ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig. Das betrifft insbesondere Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Autorin:

Regina Margarethe Beckers

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*