Blasenschwäche ist nicht einfach Schicksal!

Was tun bei Blasenschwäche? Die wichtigsten Antworten auf diese Frage finden Sie in diesem informtiven Online-Ratgeber rund um Diagnose und Behandlung der Harninkontinenz.

Harninkontinenz ist kein Schicksal. Sie lässt sich behandeln und sogar heilen. Vor allem ist es wichtig, bei Harnverlust rechtzeitig zu reagieren: Eine Inkontinenz Grad 1 (hin und wieder ein leichter Verlust von ein paar Tropfen) kann unbehandelt in eine Erkrankung der Stufe 2 oder gar 3 übergehen (Inkontinenz bei unangestrengten Bewegungen und im Liegen). Soweit muss es nicht kommen. Daher sollten Betroffene möglichst früh auf das Problem zu reagieren und sich helfen zu lassen.

Inkontinenz-Berater erleben immer wieder, dass es viele Jahre dauert, bis Patienten bei Blasenschwäche ihre Scham überwinden und mit einem Experten über ihr Problem sprechen. Viele behelfen sich lange Zeit mit nicht wirklich geeigneten Hygienebinden oder bezahlen Inkontinenzbinden, die eine Kassenleistung sind, aus eigener Tasche.

Informieren und Lebensqualität gewinnen

Der Gang zum Facharzt kann die Lebensqualität verbessern. Vor allem aber eröffnet er eine Fülle von Therapiemöglichkeiten. Denn Blasenschwäche lässt sich gut behandeln. Neben Beckenbodentraining hilft Verhaltenstherapie oder seit einigen Jahren auch die Behandlung mit Medikamenten. Führen all diese Möglichkeiten nicht zum Erfolg, ist auch eine Operation denkbar. Dabei wird ein Band unter der Harnröhre eingefügt, dass diese unterstützt und so unwillkürlichen Harnverlust vermeiden soll. Auch Injektionen verschiedener Substanzen unter die Schleimhaut der Harnröhre können die Situation verbessern.

Hilfe ist fast immer möglich – die Therapiemöglichkeiten sind so vielfältig wie die Ursachen einer Blasenschwäche. So tritt etwa bei jüngeren Frauen häufig eine sogenannte Belastungsinkontinenz auf, etwa beim Lachen, Husten oder Heben von Lasten. Verursacht wird sie meist durch eine Schwäche des Blasenschließmuskels und des Beckenbodens (oft als Folge von Geburten oder OPs wie einer Gebärmutterentfernung). In den Wechseljahren können hormonelle Veränderungen zu Blasenproblemen führen. Bei manchen Frauen sind ein schwacher Beckenboden und damit eine Anfälligkeit für die Harninkontinenz auch angeboren. Hinter einer Reizblase steckt neben anderen Ursachen oft eine Blasenentzündung als Auslöser.

Eine Inkontinenz lässt sich in vielen Fällen gut behandeln – auch auf alternativen Wegen. Manche Frauen berichten zum Beispiel über gute Erfahrungen mit Bauchtanz, Pilates oder Akupunktur.  Die Verringerung von Übergewicht kann ebenfalls helfen

Wissenswertes rund um die Diagnose

„Harninkontinenz“ – unter dieser Diagnose versteht man den unwillkürlichen Verlust von Harn. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist in diesem Fall auch von einer „schwachen Blase“ oder einer „Blasenschwäche“ die Rede. Diese Bezeichnungen sind nicht unbedingt treffend. Denn nicht immer ist die Blase hauptverantwortlich für eine Harninkontinenz.

Die Schulmedizin unterscheidet mehrere Ausprägungen. Am häufigsten treten die folgenden Formen auf: die Belastungsinkontinenz, die auch als Stressinkontinenz bekannt ist, die Dranginkontinenz sowie eine Mischform aus diesen beiden Ausprägungen.

Aus medizinischer Sicht ist es wichtig und sinnvoll, zu bestimmen, welche Form der Inkontinenz vorliegt. Ist die Wurzel des Übels bekannt, lässt sich auch eine optimale, sozusagen maßgeschneiderte Therapieform finden. Auf der Basis dieses Wissens kann eine Harninkontinenz meist gut und erfolgreich behandelt werden.

Was die Diagnose unterstützt

Um festzustellen, welche Inkontinenzform vorliegt, wird häufig ein sogenanntes Toiletten- und Trinkprotokoll empfohlen. In diesem Tagebuch, das auch Miktionsprotokoll genannt wird, notiert der oder die Betroffene einige Tage lang den Zeitpunkt des Toilettengangs. Auch die Stärke des Harndrangs wird hier festgehalten, und es wird vermerkt, ob willkürlich Harn abgegangen ist. Die Trinkmengen werden im Toiletten- und Trinkprotokoll ebenfalls protokolliert.

Harninkontinenz ist kein Dauerschicksal

Über Inkontinenz wird meist nur unter vorgehaltener Hand gesprochen. Viele Betroffene empfinden das Problem sogar als so heikel, dass sie nicht einmal beim Arztbesuch darüber reden möchten. Oft wird versucht, in Eigenregie damit zurechtzukommen. Darunter leiden häufig soziale Kontakte, etwa wenn man bisher geschätzte Unternehmungen mit Freunden und Familie nicht mehr macht, um nur ja nicht einen unwillkürlichen Harnabgang zu riskieren.

Die Bereitschaft, das Problem zu verdrängen, ist groß. Und das, obwohl die Störung weit verbreitet ist. Rund fünf Millionen Deutsche leiden darunter. Oft gestehen sich die Betroffenen nicht einmal ein, an einer richtigen Krankheit zu leiden, oder sie gehen davon aus, dass es ohnehin keine Behandlungsmöglichkeiten gebe. Ein Irrglaube, denn Harninkontinenz ist keinesfalls ein unabwendbares Schicksal. Es existieren mehrere Erfolg versprechende Therapieoptionen; vielen Betroffenen kann wirksam geholfen werden. Es ist also durchaus sinnvoll und wichtig, mit dem Arzt über das Problem zu sprechen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

Das gilt für jedes Lebensalter. Zwar ist Harninkontinenz eine Störung, die mit zunehmendem Lebensalter häufiger auftritt. Es sind aber auch Jüngere betroffenen – etwa Frauen nach einer Schwangerschaft und Entbindung. Oder auch Menschen, die nach einer Operation oder einem Unfall mit dem Problem konfrontiert werden. Für alle ist medizinische Beratung wichtig. Auch Senioren sollten daran denken, dass Harninkontinenz keine unvermeidliche Folge des Älterwerdens ist, die man eben hinnehmen muss!

Harninkontinenz: ihre Formen

Eine Harninkontinenz kann sich durch verschiedene Symptome und in unterschiedlichen Ausprägungen bemerkbar machen. Zu den Formen der Harninkontinenz zählen die häufige Dranginkontinenz, die Belastungsinkontinenz, eine Mischform dieser beiden Ausprägungen sowie weiteren Formen, die für die Betroffenen unterschiedliche Herausforderungen im Alltag bringen.

Dranginkontinenz

Bei der Dranginkontinenz, die medizinisch auch als Urgeinkontinenz bezeichnet wird, erleben die Patienten häufig einen ganz plötzlichen und sehr starken Harndrang. Dieses Gefühl stellt sich ein, obwohl die Harnblase noch gar nicht vollständig gefüllt ist. Der Harndrang ist so groß, dass es die Betroffenen oft nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schaffen. Dieser heftige Harndrang kann sehr häufig, mitunter sogar alle Viertelstunde, auftreten.

Belastungsinkontinenz

Bei der Belastungsinkontinenz geht bei einer Erhöhung des Drucks im Bauchraum unwillkürlich Harn ab, und zwar ohne dass die Betroffenen vorher einen Harndrang verspüren. Der Druck kann sich zum Beispiel bei körperlicher Belastung erhöhen – etwa beim Tragen oder Heben von schweren Gegenständen. Auch Lachen, Pressen, Husten oder Niesen kommen als Auslöser infrage. Oft gehen nur wenige Tropfen Urin ab. Mitunter kommt es aber auch im Strahl zu einem Urinverlust.

Bei einer schweren Belastungsinkontinenz verlieren die Betroffenen schließlich bei jeder Bewegung bzw. sogar im Liegen oder im Stehen Urin.

Früher wurde die Belastungsinkontinenz auch als Stressinkontinenz bezeichnet. Eine irreführende Namensgebung, da in diesem Fall Stress keine seelischen, sondern rein körperliche Belastungen wie etwa schweres Heben bedeutet. Daher wird diese Form der Inkontinenz heute meist als Belastungsinkontinenz bezeichnet.

Mischinkontinenz

Bei dieser Ausprägung treten sowohl Symptome der Belastungs- als auch der Dranginkontinenz auf.

Überlaufinkontinenz

Bei dieser fortgeschrittenen Form der Blasenstörung treten permanent bei voller Blase kleine Urinmengen aus. Die Blase läuft also sozusagen über. Eine sehr belastende Störung, da die Betroffenen das Gefühl haben, ständig Harn zu verlieren. Eine Überlaufkontinenz entwickelt sich dann, wenn sich die Blase nicht mehr gut entleeren kann. Verursacht wird das durch Hindernisse wie etwa eine Prostatavergrößerung. Auch eine Nervenschädigung ist ein möglicher Auslöser. Sie führt dazu, dass sich die Blase langfristig übermäßig anfüllt, da sie sich nicht mehr ausreichend entleeren kann. Die Folge ist ein ständiger, oft quälender Harndrang.

Extraurethrale Inkontinenz

In diesem Fall verlieren die Betroffenen ständig Urin. Die Wurzel des Übels liegt allerdings außerhalb der Harnwege, ist also nach dem medizinischen Fachbegriff extraurethral.Eine mögliche Ursache ist etwa eine Fistel, die einen von der Natur nicht vorgesehenen Verbindungskanal erzeugt – zum Beispiel von der Blase in den Darm oder in die Scheide. Über diese Fistel fließt ständig Urin ab. Ein Geschehen, das von den Betroffenen nicht beeinflusst werden kann.

Reflexinkontinenz

Bei dieser Form der Harninkontinenz können die Patienten nicht mehr richtig spüren, wann die Blase voll ist, was die Steuerung der Entleerung stark beeinträchtigt. Oft leert sich die Blase zu völlig unvorhersehbaren Zeitpunkten von selbst. Meist tut sie das allerdings nicht vollständig.

Verursacht wird das Problem durch eine Störung der die Blase steuernden Nervenfunktionen. Das kann etwa bei einem Schlaganfall auftreten oder auch im Rahmen einer Querschnittslähmung, ebenso bei Parkinson-Krankheit, Multipler Sklerose oder bei einer Alzheimer-Erkrankung. Generell kann eine Demenzerkrankung das Risiko erhöhen, an dieser Form der Harninkontinenz zu erkranken.

Nächtliches Einnässen (Enuresis)

Innerhalb der ersten vier Lebensjahre lernen die meisten Kinder, während der Nacht nicht mehr ins Bett zu nässen. Machen Kinder auch über das 4. Lebensjahr nachts ins Bett, sollten Eltern den Arzt zur Rate ziehen. Denn mitunter liegen körperliche Störungen vor, die das nächtliche Einnässen verursachen (z. B. eine Fehlbildung der Harnwege). Meist handelt es sich allerdings um eine Entwicklungsverzögerung. Diese ist harmlos und lässt sich, falls eine Behandlung überhaupt nötig ist, gut therapieren.

Was Harninkontinenz auslöst

Um die möglichen Ursachen einer Harninkontinenz zu veranschaulichen, hilft ein Blick auf die Harnblase und ihre Funktionen. Zum einen muss die Blase den Urin speichern, und zwar über längere Zeit. Dazu verfügt das Organ über einen Blasenmuskel (Detrusor), der während der Speicherphase gespannt ist. Dieser Muskel bildet gemeinsam mit dem Bindegewebe die Blasenwand.

Durch dieses Zusammenwirken kann sich die Blase ausdehnen und füllen. Um ein Abfließen des Urins über die Harnblase zu verhindern, spannt sich in der Speicherphase der Schließmuskel (Sphinkter) an. Er ist sozusagen die Dichtung der Harnblase.

Wird es Zeit für eine Entleerung, zieht sich der Blasenmuskel zusammen. Gleichzeitig erschlafft der Schließmuskel mit der Beckenbodenmuskulatur. So kann der Urin durch die Harnröhre abfließen.

Damit das einwandfrei funktioniert, müssen die beteiligten Gehirnzentren und Rückenmarksbereiche ebenso intakt sein wie die an diesem Prozess involvierten Nerven und Muskeln. Nur so können alle Beteiligten reibungslos zusammenarbeiten. Dieses feine Zusammenspiel kann allerdings gestört sein, und dafür gibt es eine Vielzahl von Ursachen.

Wie eine Belastungsinkontinenz entsteht

Eine Belastungsinkontinenz hat häufig mit einem geschwächten Beckenboden zu tun. Der Beckenboden ist die untere Begrenzung des Beckens und besteht aus Muskeln sowie Bindegewebe. Er ist zwischen Steißbein, Schambein und den zwei seitlichen Stitzbeinhöckern positioniert. Die Bänder und Muskeln des Beckenbodens sind wichtig für die Stabilität der Beckenorgane. Sie stützen außerdem den Schließmuskel der Blase.

Wenn Frauen unter Belastungsinkontinenz leiden

Eine Belastungsinkontinenz trifft Frauen deutlich häufiger als Männer. Das hat mit ihrem breiteren Becken zu tun und auch mit ihrer im Vergleich zum männlichen Geschlecht schwächeren Beckenbodenmuskulatur. Außerdem hat ihr Beckenboden drei Durchtrittsstellen – für Enddarm, Harnröhre sowie Scheide – und damit eine mehr als Männer. Sie haben also drei statt zwei mögliche Schwachstellen, die ihren Beckenboden in Mitleidenschaft ziehen können.

Ihr Beckenboden ist zudem durch Schwangerschaften und Geburten besonderen Herausforderungen ausgesetzt. So kann etwa in den letzten Monaten einer Schwangerschaft eine oft leichte Belastungsinkontinenz auftreten. Ein Problem, das sich nach der Entbindung meist wieder gibt. Auch die Entbindung selbst ist ein Risikofaktor und kann eine Inkontinenz zur Folge haben (postpartale Harninkontinenz). Meist verschwindet dieses Problem innerhalb eines Jahres nach der Geburt. Unterstützend kann ein Beckenbodentraining wirken, das auch eine sehr gute Möglichkeit ist, einer Harninkontinenz vorzubeugen (siehe Kapitel „Behandlung“).

Das empfindliche Beckengewebe kann aber auch durch Operationen oder Verletzungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Das kann dazu führen, dass die Bänder regelrecht ausleiern und in der Folge das Bindegewebe nachgibt. Dieser Vorgang kann auch durch hormonelle Veränderungen in der Menopause verursacht oder zumindest mitverursacht werden. Oft spielt auch eine genetische Veranlagung für ein schwaches Bindegewebe eine Rolle. So kann sich das gesamte Gefüge des Beckenbodens verschieben. Die Organe des Beckens sinken dadurch in Richtung des Damms ab.

Ein weiterer Risikofaktor sind Verletzungen oder Reizungen der Nerven infolge von Unfällen, operativen Eingriffen oder einer Entbindung. Das kann zu Störungen der Signalweiterleitung führen, wodurch die Beckenbodenmuskeln sozusagen falsche oder verspätete Signale erhalten.

All das kann bewirken, dass der Schließmuskel der Blase nicht mehr richtig gestützt wird und dass der Harnröhren-Verschluss nicht mehr richtig arbeitet. Bei einem erhöhten Druck im Bauchraum etwa beim Lachen oder Husten oder dem Tragen von Lasten geht dann in Folge dieser Störung ungewollt Urin ab.

Ein weiterer Risikofaktor für die Belastungsinkontinenz ist COPD. Diese auch als Raucherhusten bekannte Lungenerkrankung führt dazu, dass der Beckenboden permanent Druckspitzen ausgesetzt ist. Chronische Verstopfung und häufiges Pressen gelten ebenfalls als Risikofaktor. Und natürlich ist auch die Folge von Übergewicht nicht zu unterschätzen, da dieses auf dem Beckenboden lastet. Gefährdet ist auch, wer etwa im Beruf häufig schwer heben und sich körperlich stark anstrengen muss. Aber auch zu wenig Bewegung gilt als möglicher Auslöser, da gesunde Bewegung den Beckenboden trainiert. Seine Muskeln profitieren von Joggen, Wandern, Radfahren oder Walking ebenso wie von Yoga. Auch ein spezielles Beckenbodentraining (siehe Kapitel „Behandlung“) kann sich positiv und stärkend auswirken.

Wenn Männer unter Belastungsinkontinenz leiden

Beim männlichen Geschlecht sind es vor allem Operationen im Beckenraum und hier oft der Prostata sowie versehentliche Verletzungen von Muskeln und Nerven, die zu einer Belastungsinkontinenz führen. Eingriffe in Zusammenhang mit der Prostata bzw. Tumorerkrankungen der Prostata sind heute relativ häufig und werden nur dann gemacht, wenn sie unumgänglich sind. Dennoch muss ein Teil der Operierten damit rechnen, dass sich infolge des Eingriffs eine Harninkontinenz entwickelt. Die Höhe des Risikos ist immer individuell und hängt auch vom Lebensalter der Patienten ab. Das Know-how des Operateurs ist ebenfalls ausschlaggebend. Aber auch bei besten Voraussetzungen lässt sich das Risiko einer Inkontinenz nie zu hundert Prozent ausschließen. Eine gute ärztliche Beratung schon vor der Operation ist daher in diesem Fall besonders wichtig. Kommt es zu einer Harninkontinenz, ist dies nicht automatisch ein Dauerschicksal, da sich diese oft binnen eines Jahres nach der OP bessert. Dennoch kommt es mitunter vor, dass die Störung dauerhaft wird.

Bei einer Prostataentfernung kommt zur unabsichtlichen Verletzung von Nerven und Muskeln noch ein weiteres Risiko hinzu. Muss die Prostata etwa aufgrund einer Tumorerkrankung vollständig entfernt werden, kann der an sich gesunde Schließmuskel der Harnblase absinken. Seine veränderte Lage führt in der Folge mitunter dazu, dass der Muskel seine Aufgaben nicht mehr vollständig erfüllen kann.

Wie eine Dranginkontinenz entsteht

Eine Urgeinkontinenz, wie die Dranginkontinenz auch genannt wird, führt sozusagen zu einer „Falschmeldung“ des Körpers. Auch dann, wenn die Blase erst wenig gefüllt ist, signalisiert der Körper eine gefüllte Blase, die entleert werden muss. So kommt es zu einem starken, plötzlichen Harndrang und dazu, dass unfreiwillig Harn abgeht. Das tritt vor allem bei Frauen auf, während diese Störung bei Männern häufig ohne Urinverlust abläuft. Die Dranginkontinenz, auch Urgency genannt (wet Urcency bei Frauen und dry Urgency bei Männern) ist eine Störung, die mit zunehmendem Alter häufiger auftritt.

Hinter einer Dranginkontinenz kann eine ganze Fülle von Ursachen stecken. Etwa eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), die nicht ausreichend therapiert wird, oder neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose. Weitere mögliche Ursachen sind Reizungen oder Schäden der Nervenbahnen – etwa nach Operationen. Auch Infekte der Harnwege und Blasensteine sind mögliche Auslöser.

Ein Hindernis, das den Abfluss des Harns am Ausgang der Blase behindert, kommt ebenfalls als Auslöser infrage. Das kann etwa eine Verengung der Harnröhre oder eine Vergrößerung der Prostata sein. Nicht zuletzt können psychosomatische Faktoren im Spiel sein. Oft bleibt die Frage nach der Ursache aber auch unbeantwortet, und ein Auslöser lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen.

Wie eine Überlaufinkontinenz entsteht

Bei einer Überlaufinkontinenz ist die Blase permanent übermäßig gefüllt, da sie sich nicht mehr richtig entleeren kann. Verursacht wird das durch ein Hindernis wie etwa ein Myom, eine Vergrößerung der Prostata oder als Folge einer Senkung der Gebärmutter. Auch eine Schädigung der Nerven kann dazu führen, dass ständig Urin tröpfelt.

Wie eine Reflexinkontinenz entsteht

Bei dieser Form der Harninkontinenz erfolgt die Entleerung reflexartig und kann nicht mehr willentlich gesteuert werden. Als als mögliche Ursachen kommen Schäden der Nerven am Rückenmark oder im Gehirn infrage. Ausgelöst werden diese Schäden durch Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose, die Parkinson-Erkrankung, Alzheimer sowie andere Demenzformen. Bei einer Querschnittslähmung kann ebenfalls eine Reflexinkontinenz auftreten. Häufig arbeiten die beteiligten Muskeln nicht mehr richtig zusammen, was dazu führt, dass stets ein wenig Harn in der Harnblase zurückbleibt.

Inkontinenz als Medikamenten-Nebenwirkung

Bestimmte Medikamente können eine Harninkontinenz fördern. Dazu zählen etwa Arzneien gegen Bluthochdruck (Betarezeptorenblocker) oder bei Alzheimer verschriebene Cholinesterase-Hemmer. Diese Mittel können den Blasenmuskel so stimulieren, dass ein Entleerungsreiz entsteht. In der Folge wird eine Dranginkontinenz ausgelöst oder zumindest verstärkt.

Auch die sogenannten wassertreibenden Arzneien (Diuretika) können eine Harninkontinenz unter Umständen verschlechtern. Sie sorgen dafür, dass der Körper vermehrt Flüssigkeit ausscheidet.

Ein mögliches Zusammenspiel von Medikamenten mit einer Harninkontinenz sollte immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Arzneien können unter Umständen durch besser geeignete Mittel ersetzt werden, sollten aber nie ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden.

Die gesunde Frequenz des Toilettengangs

Eine Harninkontinenz kann mit dem eigenen Verhalten des Toilettengangs zusammenhängen. Der Blase tut weder der zu seltene, noch der zu häufige Besuch des Badezimmers gut. Wer zu oft geht, gewöhnt seine Harnblase an zu kleine Urinmengen. Das kann dazu führen, dass sie eines Tages nicht mehr zur Speicherung größerer Mengen imstande ist. Wer zu selten die Toilette aufsucht, sorgt dafür, dass die Muskulatur der Blase permanent überstrapaziert wird. Auch das kann schlussendlich zu einer Funktionsstörung führen.

Nicht immer sind es körperliche Störungen oder falsches Verhalten, das mit einer Harninkontinenz zu tun hat. Daneben besteht offenbar eine bestimmte Veranlagung innerhalb der Familie, die das Inkontinenzrisiko erhöhen kann.

Harninkontinenz richtig diagnostiziert

Der Besuch beim Arzt, ein Gespräch mit ihm oder ihr und eine körperliche Untersuchung sind die ersten Schritte auf dem Wege einer Inkontinenz-Abklärung.

Der Arzt erfasst das genaue Beschwerdebild und die Krankheitsgeschichte. Er stellt eine Reihe von Fragen: nach der jeweils abgegebenen Urinmenge (wenig oder sehr viel), nach der Zahl der Toilettegänge, nach der Beschaffenheit des Harnstrahls, nach Schmerzen. Er oder sie erfragt auch, ob es sich trotz Wasserlassens so anfühlt, als sei noch immer Harn in der Blase, ein Hinweis, dass diese nicht richtig entleert.

Wichtig ist auch die Frage, wann unfreiwillig Harn abgeht – etwa bei Heben oder Husten. Die Antworten auf diese Fragen geben dem Arzt oft schon erste Hinweise darauf, welche Form der Harninkontinenz vorliegen könnte und welche Auslöser damit verbunden sind. Beim Arztgespräch kommt außerdem die Frage nach eingenommenen Medikamenten zur Sprache, da diese mitunter auf die Blasenfunktion wirken. Auch Krankheiten müssen besprochen werden, da etwa Diabetes mellitus oder eine Parkinson-Erkrankung mit einer Harninkontinenz zusammenhängen können. Das gilt auch für Entbindungen, Schwangerschaften oder operative Eingriffe. All das kann mit einer Harninkontinenz zusammenhängen und muss daher im Arztgespräch abgeklärt werden. Standardisierte Fragebögen helfen bei der Einschätzung des Beschwerdegrades.

Ein Trink- und Blasentagebuch (ein sogenanntes Miktionsprotokoll) ist ein wertvolles Instrument bei der Diagnose. In diesem Tagebuch notiert der Patient einige Tage lang den Zeitpunkt des Wasserlassens und gibt an, wie viel Wasser er oder sie lassen musste, wie ausgeprägt der Harndrang vor dem Toilettenbesuch war und ob unwillkürlich Harn abgegangen ist. Auch die Trinkmenge wird eingetragen. Ebenso die Zahl der Vorlagen, falls der Patient diese benutzt. Dieses Tagebuch ist ein wertvolles Instrument der Therapie und hilft beim sogenannten Toilettentraining (siehe Kapitel „Behandlung“).

 Bei der körperlichen Untersuchung sieht sich der Arzt auch den Enddarm sowie die äußeren Genitalien des Patienten an. Das ergibt mitunter bereits erste Hinweise auf bestimmte Erkrankungsursachen wie etwa Fisteln, also nachträglich gebildete Verbindungskanälchen zwischen Darm und Blase. Die Überprüfung des Spannungszustands der Schließmuskeln liefert weitere Hinweise. Bei Männern wird eine Prostatavergrößerung abgeklärt, da diese ebenfalls hinter einer Inkontinenz stecken kann. Das Testen der Nervenfunktion ist ein weiterer Teil der ärztlichen Untersuchung.

Bei Frauen mit einem Blasenproblem ist eine vaginale Untersuchung wichtig. Dabei wird geprüft, ob eine Senkung der Gebärmutter, der Blase und des Enddarms vorliegt. Der Arzt prüft außerdem, ob ein hormoneller Mangel der Scheide besteht.

Zur ärztlichen Abklärung zählt außerdem eine Untersuchung des Urins mittels Teststreifen. Auf diese Weise lassen sich etwa Infekte der Harnwege erkennen.

Ein wichtiges Untersuchungsinstrument ist die Messung des Restharns mittels Ultraschall. So lässt sich feststellen, ob nach dem Entleeren der Blase Urin zurückbleibt.

Ein sogenannter Stresstest hilft bei der Abklärung des Schweregrads einer Belastungsinkontinenz. Dieser Test stellt fest, welche Urinmenge bei einer Druckerhöhung im Bauchraum (etwa beim Lachen oder Husten) abgeht. Mit dem sogenannten Pad-Test oder auch Vorlagen-Wiegetest lässt sich ermitteln, wie viel Urin während eines bestimmten Zeitraums abgeht.

Liegen eindeutige Beschwerden und eine klare Krankengeschichte vor, kann der Hausarzt mit einem Behandlungsversuch beginnen. Falls dieser kein Ergebnis bringt, oder die Erkrankung sehr vielschichtig ist, ist oft die Überweisung an einen Spezialisten nötig. Das ist im Regelfall der Urologe. Auch der Gynäkologe oder der Neurologe sind in diesem Fall wichtige Experten.

Der Facharzt wird meist die Harnwege mittels Ultraschall genau unter die Lupe nehmen. Bei dieser Untersuchung können Ausstülpungen der Blasenwand, Tumore oder Harnsteine sichtbar werden. Auch die Struktur der Nieren lässt sich auf diese Weise untersuchen.

Ein weiteres Diagnosemittel ist die sogenannte urodymanische Untersuchung, bei der ein Katheter in die Blase und den Enddarm eingeführt wird. Über dieses dünne und biegsame Röhrchen lässt sich überprüfen, ob eine Blasen-Fehlfunktion besteht.

Beim sogenannten Miktions-Zystogramm werden während des Wasserlassens Röntgenaufnahmen gemacht, nachdem ein Kontrastmittel in die Blase eingebracht wurde. So lassen sich eine Blasensenkung oder eine Fehlsteuerung erkennen.

Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit ist eine Blasenspiegelung, bei der der das Blaseninnere mit einem optischen Gerät untersucht wird.

Harninkontinenz richtig behandelt

Eine Harninkontinenz lässt sich durch die richtige Therapie häufig beseitigten oder wenigstens bessern. Was die Therapie angeht, so gibt es bei diesem Krankheitsbild keine pauschalen Empfehlungen. Jede Behandlung muss individuell auf den Betroffenen abgestimmt werden. Je nach Auslöser des Problems, dem Maß der Beschwerden und auch abgestimmt auf die Lebensumstände des Patienten.

Egal, welche Behandlung gewählt wird, so ist es doch immer wichtig, dass der Patient sorgfältig über alle Vor- und Nachteile einer Therapieform informiert wird.

Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten

Beckenbodentraining

Eine Kräftigung des Beckenbodens ist eine sehr wirksame Therapieform – nicht nur bei Belastungsinkontinenz, sondern auch bei Dranginkontinenz. Wichtig für den Erfolg ist, dass fachkundiges Personal beim Training die Übungen gut und exakt erklärt. Experten für diese Therapieform sind Physiotherapeuten, die mitunter sogar auf Beckenbodentraining spezialisiert sind. In Volkshochschulen oder in Sportvereinen können ebenfalls entsprechende Kurse besucht werden. Auch hier sollte man immer auf eine gute Ausbildung des Therapeuten achten. Mitunter werden vom Arzt auch Beckenboden-Einzeltherapien verordnet.

Für diese Therapieform ist oft Geduld erforderlich. Häufig fällt es den Betroffenen am Anfang nicht leicht, die Muskeln des Beckenbodens zu spüren und diese gezielt anzuspannen. Ein Biofeedbacktraining kann dabei ein wertvoller Helfer sein. Dabei führt der Arzt eine kleine Sonde in die Scheide oder den Enddarm ein. Dieses Messgerät zeichnet genau auf, wie erfolgreich das Anspannen der für das Training wichtigen Muskeln ist. Unterstützend dazu kann eine Elektrostimulation eingesetzt werden.

Ein Beckenbodentraining muss über einen längeren Zeitraum erfolgen, um zielführend zu sein. Der Vorteil ist, dass die Betroffenen viele Übungen praktisch jederzeit und unbemerkt von ihrer Umgebung durchführen können.

Für Schwangere empfiehlt sich ein Beckenbodentraining nach Absprache mit der Hebamme oder dem Gynäkologen. Idealerweise beginnt das individuelle Training bereits während der Zeit der Schwangerschaft und geht dann auch nach der Geburt noch weiter.

Gewichtsreduktion

Übergewicht kann sich auch in Sachen Harninkontinenz negativ auswirken und das Risiko, daran zu erkranken, erhöhen. Daher ist Gewichtsabnahme eine Therapieoption, die allerdings allmählich durch ausgewogene Ernährung und Bewegung greifen sollte.

Blasentraining

Mitunter kann eine Verhaltensänderung eine Inkontinenz positiv beeinflussen. Ein wichtiges Hilfsmittel dafür und für ein erfolgreiches „Toilettentraining“ ist das Miktionsprotokoll, in dem alle Details rund um die Blasenentleerung erfasst werden.

Eine Verhaltensänderung umfasst eine Umstimmung auf „blasengerechte“ Trinkmengen, eine Auswahl von geeigneten Getränken und fixe Zeiten für den Gang zur Toilette. Darüber hinaus können kleine Tricks dabei helfen, starken Harndrang zu mildern und den Toilettengang hinauszuzögern. Alle Maßnahmen sollten immer mit dem behandelnden Arzt besprochen und keinesfalls auf eigene Faust umgesetzt werden. So ist es etwa ganz falsch, wenn man versucht, die Trinkmengen möglichst stark einzuschränken. Wird zu wenig getrunken, können weitere gesundheitliche Probleme entstehen.

Die erwähnten Tipps können auch die Ernährung betreffen. So sollte man etwa auf Kaffee oder scharfe Gewürze verzichten, da beides als blasenreizend gilt. Auch Nikotin sollte tabu sein. Hilfreich ist eine gute, regelmäßige Verdauung.

Sind seelische Auslöser mit ihm Spiel oder sogar Hauptursache einer Dranginkontinenz, können das autogene Training und andere Entspannungsverfahren Hilfe bringen.

Eine Verhaltensänderung schließt mitunter auch das Erkennen und Vermeiden von Faktoren ein, die die Inkontinenz fördern – etwa Dauerhusten, ständige Harnwegsinfekte oder das Tragen von schweren Lasten.

Medikamentennebenwirkungen ausschalten

Bestimmte Medikamente können unerwünschte Nebenwirkungen haben, die eine Harninkontinenz auslösen oder die Symptome verschlimmern. Ist dies der Fall, kann der behandelnde Arzt unter Umständen ein anderes, besser verträgliches Präparat verschreiben. Man sollte Medikamente aber nie in Eigenregie absetzen.

Medikamente können eine Harninkontinenz aber auch verbessern. Weibliche Patienten können vom Wirkstoff Duloxetinprofitieren, der zur Therapie einer Belastungsinkontinenz eingesetzt wird. Bei Medikamenten mit diesem Inhaltsstoff handelt es sich um sogenannte Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Allerdings können auch bei diesem Präparat unerwünschte Nebenwirkungen auftreten wie etwa Schwindel und Übelkeit. Das Medikament wird daher meist in langsamer Dosissteigerung genommen.

Die sogenannten Anticholinergika werden bei einer Dranginkontinenz verschrieben. Sie wirken dämpfend auf die Muskulatur der Blase. Die Wirkung tritt jedoch langsam über mehrere Wochen hinweg ein. Um festzustellen, ob das Medikament hilft, ist daher eine Einnahme von mindestens vier bis sechs Wochen ratsam. Auch bei diesem Präparat sind unerwünschte Nebenwirkungen möglich – etwa Sehstörungen, Übelkeit, Trockenheit des Mundes, Verdauungsstörungen oder Herzrasen. Anticholinergika dürfen nicht bei bestimmten Herzrhythmusstörungen sowie bei bestimmten Formen des Grünen Stars eingenommen werden. Hilft das Medikament nicht oder nicht ausreichend bzw. treten Nebenwirkungen auf, kann ein Wechsel des Anticholinergikums oder eine Steigerung der Dosis Abhilfe schaffen.

Ein weiterer Wirkstoff gegen eine überaktive Blase steht mit Mirabegronzur Verfügung (ein Beta-3-Adrenozeptoragonist). Auch hier kann der Eintritt der Wirkung dauern, und zwar bis zu drei Monate. Die Nebenwirkungen sind geringer als bei den Anticholinergika, die häufiger mit Verstopfung oder einem trockenen Mund einhergehen.

Bei einem Östrogendefizit der Scheide hilft eine lokale Hormontherapie mittels Scheidencreme oder Scheidenzäpfchen.

Bei einer überaktiven Blase, die auf eine Medikamententherapie nicht anspricht, kann eine Therapie mit Botulinumtoxin versucht werden. Die Substanz wirkt im Schnitt sechs bis neun Monate. Lässt die Wirkung nach, muss eine neue Behandlung begonnen werden, bei der der Wirkstoff direkt in den Blasenmuskel injiziert wird.

Operative Eingriffe

Eine Operation ist bei einer Harninkontinenz immer die letzte Option, nachdem alle nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten versucht wurden.

Ein Abflusshindernis sollte beseitigt, eine Prostatavergrößerung einer Behandlung unterzogen werden. Auch Fisteln gilt es, zu verschließen.

Operation beim Mann

Das Einsetzen eines künstlichen Schließmuskels ist heute eine gängige Standardtherapie, wenn Männer unter einer Belastungsinkontinenz leiden. Bei diesem Eingriff legt der Operateur eine Manschette um die Harnröhre. Diese ist mit Flüssigkeit gefüllt und verschließt mittels Druck von außen die Harnröhre. Bei Bedarf kann über eine im Hodensack befindliche Pumpeinrichtung Flüssigkeit aus der Manschette in einen Speicherballon gepumpt werden. Durch die Harnröhre kann jetzt der Urin abfließen. Anschließend rinnt die Flüssigkeit automatisch aus dem Speicherballon wieder zurück in die Manschette. Auf diese Weise wird die Harnröhre sozusagen abgedichtet.

Dieses System hat sich über lange Jahre bewährt. Laut Langzeit-Studien führt es bei neun von zehn Betroffenen zu einer dauerhaften Behebung des Problems. Der Eingriff hat aber auch Nachteile: Zum einen sind damit hohe Kosten verbunden, zum anderen muss das Material, das ja verschleißt, alle acht bis zehn Jahre ausgetauscht werden. Auch Infektionen und mechanische Irritationen sind möglich. Zudem besteht ein Risiko, dass es zu einer Schrumpfung, einer sogenannten Atrophie der Harnröhre kommt.

Noch ein Wort zum Alter der Patienten: Das Lebensalter sollte heute bei der Wahl der Behandlungsform nicht mehr ausschlaggebend sein. Untersuchungen zeigten keine Unterschiede bei den Erfolgen zwischen älteren und jüngeren Patienten. Beim Einsatz eines künstlichen Blasenschließmuskels muss der Betroffene allerdings geistig und körperlich zur Bedienung des Systems in der Lage sein.

Zur besseren Handhabbarkeit wurden bei der Behandlung einer Belastungsinkontinenz des Mannes in den vergangenen Jahren eine Reihe von minimal-invasiven Verfahren etabliert. Diese neuen Systeme lassen sich zum Teil adjustieren, also nach der Operation an die persönliche Situation des Betroffenen anpassen. Teilweise sind sie auch nicht adjustierbar. Das Prinzip ist immer gleich: Ein Implantat drückt die Harnröhre soweit zusammen, dass es nicht länger zu einem unwillkürlichen Abfluss von Urin kommt, das Urinieren aber dennoch möglich ist.

Die sogenannten adjustierbaren Schlingen sind bei einer schlecht funktionierenden Restfunktion des körpereigenen Blasenschließmuskels eine Alternative zu einem künstlichen Schließmuskel. Mittels Schlingen wird dabei der Harnröhren-Widerstand erhöht und damit das Problem der Inkontinenz beseitigt. Reicht der Widerstand nicht aus, kann das System jederzeit durch eine kleine Operation nachjustiert werden.

Mit einer funktionellen Schlinge kann auch ein Schließmuskel, der durch eine Prostata-Operation in seiner Lage verändert wurde, korrigiert werden. Häufig wird bei einer Entfernung der Prostata der Schließmuskel nicht verletzt, sondern es lockern sich lediglich die Haltesysteme. Das wiederum führt zu einer Absenkung der Urethra, der hinteren Harnröhre. Diese Senkung bedingt, dass der Schließmuskel nicht mehr genügend Kraft zum Verschließen der Harnröhre erzeugen kann. Wird der Schließmuskel wieder an seinen ursprünglichen Platz versetzt, lässt sich die Inkontinenz wirkungsvoll behandeln. Diese Methode kommt allerdings nur dann infrage, wenn eine ausreichende Restfunktion des Schließmuskels besteht und dieser intakt ist. Das lässt sich bei einer urologischen Untersuchung mittels Harnröhren-Spiegelung herausfinden.

Operation bei Frauen

Leidet eine Frau unter einer Belastungsinkontinenz, bringt die Schlingen-Methode meist gute Ergebnisse, wenn der Schließmuskel der Blase noch eine gute Restfunktion besitzt. Dabei wird ein Band aus Kunststoff eingesetzt. Es stützt die Harnröhre und verbessert so den Verschluss der Blase. Diese Operation kann minimal-invasiv und damit schonend durchgeführt werden. Mitunter reicht sogar eine örtliche Betäubung aus. Dennoch sind Komplikationen möglich – etwa Blasen-Entleerungsstörungen mit Restharnbildung bzw. Blutung oder kleine Verletzungen. Die medizinischen Fachausdrücke für diese Schlingen lauten etwa Trans-Obturator-Tape (TOT) oder Tension free Vaginal Tape (TVT).

Eine weitere Therapiemöglichkeit ist das Umspritzen der Harnröhre mit Silikon oder mit Kollagen. Das kann in bestimmten Fällen zu einer Stabilisierung der Harnröhre und einer Linderung der Symptome führen. Dieses Verfahren hat allerdings auch Nachteile: Oft hilft es nur kurze Zeit. Zudem sind Komplikationen wie eine Vernarbung der Harnröhre oder das Entstehen von Abszessen möglich.

Wenn keine andere Therapie greift, kann auch bei Frauen ein künstlicher Blasen-Schließmuskel zum Einsatz kommen. Das Einsetzen der Pumpe erfolgt in diesem Fall in die Schamlippen.

Hilfe mittels Nervenstimulation

Eine Art “Blasenschrittmacher” als Implantat kann zur Beruhigung einer hyperaktiven Harnblase genutzt werden. Damit lässt sich auch eine Blase stimulieren, die nicht mehr in der Lage ist, sich aus eigener Kraft zu entleeren und das, obwohl der Abfluss nicht behindert ist.  Dieses diffizile Verfahren sollte nur in ganz bestimmten Fällen und in Spezialeinrichtungen eingesetzt werden. Bei einer sakralen Neuromodulation führt der Arzt sogenannte Stimulationselektroden in die Öffnungen des Kreuzbeins ein. Während einer Testphase wird die Wirkung genau untersucht. Erst im Falle einer erfolgreichen Wirkung kommt es zur Implantation eines dauerhaften Neurostimulators.

Hilfsmittel im Alltag

Für die Bewältigung einer Harninkontinenz gibt es eine breite Auswahl von speziellen Helfern: Im Alltag bewähren sich etwa Vorlagen in unterschiedlichen Saugstärken, die es für Frauen und Männer gibt sowie Inkontinenzslips und Einmal-Schlüpfer, in die bereits eine Vorlage eingearbeitet ist. Manche Betroffene kommen mit einem Kondom-Urinal gut zurecht. Das ist eine Art Kondom, das den Urin weiterleitet in einen Beutel, der etwa am Bein befestigt ist.

Beratung bieten zum Beispiel Apotheken. Hilfsmittel gibt es ab einem gewissen Schweregrad der Harninkontinenz auch auf Verordnung. In diesem Fall können die Krankenkassen allerdings festlegen, dass nur Hilfsmittel bestimmter Hersteller vergütet werden.

Betroffene versuchen mitunter, das Problem mit handelsüblichen Monatsbinden in den Griff zu bekommen. Davon wird abgeraten, da diese Produkte nicht auf eine Harninkontinenz abgestimmt sind. Meist speichern sie nicht ausreichend Flüssigkeit, was dazu führt, dass die Haut ständig feucht ist. Auch die Geruchsbindung ist nicht so zuverlässig wie bei Vorlagen, die speziell für eine Inkontinenz konstruiert wurden.

Liegt eine Reflexinkontinenz vor, können spezielle Patientenschulungen die Betroffenen in die Lage versetzen, den Harn bzw. Restharn selbstständig über einen Katheter abzuführen. Der medizinische Fachausdruck dafür lautet „intermittierender Selbstkatheterismus“.

Leiden Männer unter dieser Form der Inkontinenz, hilft mitunter eine sogenannte Penisklemme. Dieses Hilfsmittel eignet sich, um etwa bei einem gesellschaftlichen Anlass einige Stunden zu überbrücken. Die Penisklemme gibt es in verschiedenen Modellvarianten. Das Grundprinzip ist immer gleich: Die Klemme dichtet die Harnröhre ab, indem sie Druck von außen erzeugt. Manche Betroffene kommen gut damit zurecht. Mitunter wird dieses Hilfsmittel aber auch als schmerzhaft bzw. der erzeugte Druck als unangenehm empfunden. Ob dieses Hilfsmittel infrage kommt oder nicht, was bei der Verwendung zu beachten ist und welche Kosten damit verbunden sind, sollten betroffene Männer in einem Gespräch mit ihrem Arzt klären.

Alle Hinweise und Ratschläge in diesem Buch wurden sorgfältig geprüft. Eine Garantie auf Richtigkeit oder Vollständigkeit kann dennoch nicht übernommen werden. Eine Haftung der Autoren für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist daher ausgeschlossen.

Bitte beachten Sie vor allem, dass in allen Fragen der Gesundheit stets ärztlicher Rat eingeholte werden sollte.

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